Der Schlüssel der Zeit


Akt 1 – Veränderung

Vollkommenheit. Die Vollkommenheit des Universums. Das Universum hat seine eigenen Regeln. Im endlosen Strahl der Zeit gibt es allerdings Ereignisse, die dazu führen, dass Zeit zum Stillstand kommt. Sie schwebte zwischen den beiden Elementen. Sie waren im Begriff die natürliche Ordnung des Universums für immer zu verändern. Es war an der Zeit, dies zu verhindern.

Die Bedeutung einer Gabe. Jeder kann sie haben. Doch nicht immer erkennen wir von Anfang an, wozu wir sie wirklich einsetzen sollten…

Sumerische Zeitrechnung. Er stand vor dem Altar, bereit den Gegenstand zu beschwören. Die verborgene Energie freizusetzen, um die gewünschte Macht zu erlangen. Der Gegenstand sollte anschliessend als Macht Demonstration eingesetzt werden, bei denjenigen, die sich wiedersetzen wollten. Gekonnt sprach er die uralten magischen Worte in einer längst vergessenen Sprache und liess seine rechte Hand über den Gegenstand kreisen. Es geschah nichts. Aber für diese Freisetzung, war Geduld gefragt. Er fuhr bestrebt fort und liess den Mächten Zeit zu erwachen. Dann begann es.

Er konnte fühlen wie eine leichte Brise aufkam. Es begann zu wirken als der Wind an Stärke zunahm und der Gegenstand langsam zu leuchten begann. Es wird also funktionieren, sobald die volle Helligkeit erreicht wird. Die Schriften waren sich in diesem Punkt einig. Der Wind wurde immer stärker. Er spürte wie sich die Haare auf seinen Armen aufzustellen begannen, als würde die Luft zunehmend elektrisiert. Er konnte förmlich spüren wie Energien freigesetzt wurden als er den immer heller werdenden quadratischen Gegenstand berührte. Augenblicklich nahm die Windgeschwindigkeit um ihn herum rapide zu und er fühlte sich wie inmitten eines tosenden Wirbelsturms. Sein langer weisser Bart und seine langen weissen Haare wirbelten wild durch den Wind. Seine Atmung wurde immer langsamer und kräftiger als er das Gefühl bekam, dass die Energie mehr und mehr durch ihn durchzufliessen begann. Er umfasste den Gegenstand immer fester, um noch mehr Energie aufzunehmen. So viele Strömungen auf einmal. Sie durchfliessen ihn und liessen seinen Hunger unstillbar wachsen. Endlich. All die Mühen zahlten sich endlich aus. Er begann immer mehr zu Glühen, ab der Intensität der Energie, die ihn durchfloss. Er fühlte sich so lebendig wie noch nie zuvor und hatte das Gefühl, er könnte nun sogar das Wetter beeinflussen. Er hatte genug und wollte den Gegenstand loslassen. Doch er konnte es nicht. Nicht, weil ihm der Wille dazu fehlte, sondern weil seine Hand sich nicht vom Gegenstand lösen liess. Immer mehr Impulse drangen durch seinen Körper und ein stärker werdendes Kribbeln breitete sich in ihm aus, so als ob er bald die Kontrolle über seinen Körper verlieren würde. Aus anfänglicher Begierde nach Macht wurde starres Entsetzen mit weit aufgerissenen Augen. Es zerrt ihn mehr und mehr auf und es fühlte sich so an als würde purer Sand durch seinen Körper fliessen, während er jegliches Gefühl für seinen Körper verlor. Unaufhaltsame Hitze durchströmt ihn, bis sich schliesslich sein Geist von seinem Körper trennte und sein Körper leblos zu Boden fiel. Sein Geist konnte die strömende kraftvolle Energie spüren. Eine Kraft mit der man gefühlt Himmel und Erde bewegen konnte. Übermannt von der Begeisterung der erlangten Fähigkeiten und frohjauchzend über die Macht, die er erlangt hatte, begann er zugleich auch sofort zu verstehen, welchen Preis er dafür bezahlt hatte. Er wurde irdisch nicht mehr wahrgenommen, er konnte irdisch nichts mehr bewirken und man würde ihn für tot erklären. Gestorben eines unerklärlichen Todes.

Als er in seiner neuen Form lautlos und still auf sich hinunter blickte, traf ihn der Schlag und er erkannte es… Seine Beweggründe für Erlangung dieser Macht waren herrisch und menschlich falsch gewesen… Es ging nicht darum, anderen etwas zu nehmen, sondern anderen etwas zu schenken bzw. zu geben. Darin bestand die wahre Macht. Sein altes Leben war nun vorbei und es war Zeit aufzubrechen, sein neues Leben und seine neue Bestimmung zu ergründen. Er schwebte davon.

Blitzschlag. Die Zeit verlangsamt bis zum absoluten Stillstand. Der Blitz entfesselt seine ganze wilde Natur und entfaltet sich in Millisekunden in eine Schönheit, die nur bestimmten Augen vorenthalten ist. Schwärze. Gefolgt von gewaltigem Donnergrollen. Ein Schall, der sich durch die Luft ausbreitet und über grosse Distanzen noch zu hören ist.

2018

Das siebenköpfige Gespann an mutigen Rentieren mit Weihnachtsschlitten sprang angetrieben von einer magischen Kraft durch den Nachthimmel an einen weit entfernten unbekannten Punkt. Ziel durch diesen grössten waghalsigen Sprung war es gleichzeitig ein Menschenleben zu retten, was in lebensgefahr schwebte. Was in diesem Falle durch die Aktion des Weihnachtsmannes gelang, hatte ungeahnte Konsequenzen. Es wurde dadurch ein Impuls ausgelöst auf der Erde. Ein Impuls, der bis weit hinaus ins Universum drang und etwas in Gang setzte.

Mitte 2019 irdischer Zeitrechnung

Die unendlichen Weiten des Weltalls. Inmitten der herrschenden Schwärze und den zahlreichen Sternen, raste ein hell leuchtendes Objekt vorbei an zahlreichen Planeten. Folgte man seiner Flugbahn, konnte man in weiter Ferne einen kleinen blauen Punkt erkennen, umgeben von einem kahlen Mond. Die Erde.

Piep.Piep.Piep.Piep.Piep. «Bestätige. Alle Systeme funktionieren einwandfrei, Bodenstation.» Ein mit bunten Weihnachtskugeln geschmückter grüner Tannenbaum in den Händen eines Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Voller Begeisterung blickte er auf den Puppen grossen Tannenbaum und die zahlreichen Reflexionen, die er in den verschieden grossen Weihnachtskugeln daran erkennen konnte. Sie würden heute hier Weihnachten feiern und hatten zu dem Zweck dieses Symbol mit an Bord gebracht. Während dessen kontrollierte sein Kollege gerade routinemässig alle Instrumente an Bord der Station. Antonov stellte den Tannenbaum behutsam vor sich ab in der Schwerelosigkeit und machte ihn an einer Verankerung fest. Er stiess sich langsam ab und schwebte in Zeitlupe durch die Kapsel. Auf der einen Seite konnte er durch ein Fenster die Erdoberfläche mit zahlreichen weissen Grosswettersystemen und den darunter liegenden Silhouetten der Kontinente sehen. Durch das Fenster auf der anderen Seite die unendlichen dunkelschwarzen Weiten des Weltalls mit seinen zahlreichen Sternen. Seine Augen wanderten durch den grossen Nachthimmel und das eine oder andere Sternenbild. Er fixierte einen einzigen Stern, der besonders schön funkelte. Ja, selbst da draussen in der Ferne konnte man immer wieder auf ein Stück Schönheit stossen, das genau so anmutig war, wie der Blick in eine Weihnachtskugel. Was für ein Stern mochte das aber sein? Existierte er noch oder sah er bloss noch dessen Licht, welches sich auf seiner letzten Reise durchs Weltall befand. Je länger er den Stern betrachtete, hatte er das Gefühl, dass er seine Position

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veränderte. Er behielt ihn aufmerksam im Auge und versuchte sich auch gleich die

Sternenkonstellation zu merken, in der er ihn entdeckt hatte. Doch bei einer anfangs simpel wirkenden Täuschung seiner Augen bzw. Halluzination blieb es nicht. Der Stern schien sich in konstanter Bewegung zu finden, die man von blossem Auge erkennen konnte und gar unmerklich aber dennoch deutlich grösser zu werden. Er wandte sich an seinen Kollegen: «Major Tom, sie müssen sich da mal was ansehen. Ich bin da auf ein seltsames Himmelsphänomen gestossen» «Was genau ist es denn, Antonov?» «In der Weite da draussen scheint sich etwas zu bewegen und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sogar behaupten, dass es näher kommt» Major Tom legte seine Checkliste zur Seite und schwebte langsam zu Antonov herüber, um durch das nächste Fenster hinauszublicken. «Sie finden das Objekt im Sternbild Aquarius. Links neben dem Gürtel des Orion» Rasch konnte Major Tom das gesuchte Objekt lokalisieren und dieselbe Beobachtung machen wie sein Kollege. «Ok Antonov, wir werden das Objekt noch ein paar Minuten im Auge behalten und je nach Verhalten werden wir dann die Bodenstation informieren» «Ist in Ordnung, Major Tom».

Sie liessen das Objekt in den nächsten Minuten nicht aus den Augen, um voller Verwunderung festzustellen, dass es tatsächlich immer grösser wurde und näher kam. Völlig unmöglich abzuschätzen, wie gross es war und wie weit es noch entfernt war. Major Tom machte eine Meldung an die Bodenstation und gab eine mögliche Berechnung des Kurses des Objektes ab, welcher nach aktueller Einschätzung knapp an der Erde vorbei fliegen würde. Soweit so gut. Je näher das Objekt allerdings kam, wurden sie den Verdacht nicht los, dass sie eventuell den Kurs des Objektes kreuzen könnten mit fatalen Folgen. Sie kontrollierten also alle Steuerdüsen an Bord, um ggf. im Notfall ein rasches Ausweichmanöver zu Ihrer Rettung einleiten zu können. Dann ging auf einmal alles überraschend blitzschnell. Major Tom stellte bei einem weiteren Kontrollblick entsetzt fest, dass das Objekt rapide beschleunigte und direkt auf sie zusteuerte. Es blieb keine Zeit mehr für eine weitere Nachricht zur Bodenstation: «Antonov, sofort Ausweichmanöver Delta einleiten» Er betätigte ein paar Hebel, wodurch die Steuerdüsen ihre Arbeit aufnahmen und die Station schnell in rotierende Bewegung versetzte und dann ihre Position veränderte. Doch das Manöver reichte nicht aus und war nicht schnell genug. Major Tom, wollte gerade einen weiteren Befehl brüllen, als das hell scheinende Objekt mit unglaublicher Geschwindigkeit auf die Station prallte, während Major Tom entsetzt seine Augen aufriss und sofort schloss in der Annahme, das es vorbei war. Stattdessen versetzte es die ISS in eine Art Beben und glitt durch sie und die Körper der Astronauten hindurch, um auf der anderen Seite seinen Weg fortzusetzen und auf die Erde aufzuschlagen. Major Tom war fassungslos ab dem Erlebten und der Beobachtung. Ausser sich von Sinnen durch dieses Phänomen, welches ihm gerade widerfahren war und die Raumstation merkwürdigerweise völlig unbeschadet zurückgelassen hatte. Er blickte voller Unglauben und Unbehagen auf die Erde unter ihm, ab den Geschehnissen, die da noch von statten gingen. Die Erde verschwand für kurze Zeit in einem gleissenden Licht, um dann wieder aufzutauchen allerdings in veränderter Form. Auf einmal waren alle Kontinente unglaublich grün, als wären sie alle dicht mit Pflanzen bewachsen. Das gleissende Licht kehrte zurück und liess die Erde erneut in anderer Form erscheinen. Nun sah er alles karge braune und schwarze Flächen. Das gleissende Licht kehrte abermals zurück und zeigte anschliessend die Erde immer schneller in einer anderen Form. Es wurde zunehmend ähnlich wie das Flackern einer Glühbirne, bis es plötzlich nach einem nächsten Wechsel wie von selbst wieder aufhörte. Die Erde hatte wieder ihren gewohnten Anblick. Ungläubig blickte er nach unten, dann zu Antonov. Was war hier soeben geschehen? Gerade als Major Tom Antonov fragen wollte, ob er dasselbe auch gespürt und gesehen hatte, erwischte er sich, wie er plötzlich wieder durch das andere Fenster hinaus in die Tiefe des

Weltalls blickte und das Objekt erneut auf sie zurasen sah. Um Himmelswillen. Wie war das möglich?

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Ein Déjà Vu??? War die Zeit dabei aus den Fugen zu geraten? Die Raumstation setzte sich wieder in Rotation durch die Steuerdüsen, als sie erneut vom gleissenden Objekt getroffen wurden und es seinen Weg auf die Erde fortsetzte. Voller Unglauben verfolgte er wieder seine Bahn, bis es wieder

auf die Erde prallte und die gesamte Erde in gleissendem Licht verschwand. Die Zeit lief sichtlich aus den Fugen. Major Tom blickte erst nochmals bedenklich aus dem Fenster auf die Erde unter sich, dann ihren kleinen geschmückten Weihnachtsbaum und war sich in Anbetracht dieser Geschehnisse dann nicht sicher, ob es dieses Jahr überhaupt Weihnachten geben würde…

2019 – Bevorstehende Nacht des heiligem Abends

Benedikt spürte, dass etwas passiert war… seit er denken konnte, gab es nicht so starken Schneefall in seiner Region. Die Temperaturen fielen seit Tagen weiter in den Keller ohne Ende. Der Gedanke befiel ihn und löste wiederholte ängstliche Gänsehaut Schübe in seinem Körper aus, dass hier Grösseres im Gange war als einfach nur ein strenger neuer kommender Winter.

Der See war innerhalb des vergangenen Tages ungewöhnlich schnell gefroren… und das Gebiet um das Schloss Neuschwanstein verwandelte sich zunehmend in eine tief verschneite Winter Landschaft. Die Tiere, die hier seit Zeit Gedenken Schutz im Wald suchten, suchten zu einander, um in dieser bitteren Kälte nicht alleine zu sein und sich gegenseitig an einem Ort des Schutzes Wärme zu spenden. Die Nacht des Heiligen Abends war dabei anzubrechen und er blickte voller Unbehagen und gleichzeitig Hoffnung in den sternenklaren dunkler werdenden Nachthimmel, in der Hoffnung ein Zeichen zu sehen. Plötzlich begannen sich auf seinen Pupillen verschiedenste wechselnde Farben wieder zu spiegeln. Ungläubig dessen, was er da gerade erlebte, riss er weiter die Augen auf und blieb erstarrt stehen. Die Nordlichter erwachten vor seinen Augen zum Leben!

Eine unbeschreibliche Schönheit, die sich vor seinen Augen eröffnete… aber gleichzeitig auch eine unvorstellbare Gefahr für die Erde selbst. Gar nicht auszudenken was passierte, wenn dieser Zustand länger bestehen blieb… Dann keimte in ihm neue Hoffnung, als er den Weihnachtsschlitten am Nachthimmel mit allen Wächtern des Lichts aus dem Nichts herbei springen sah…. Rettung nahte.

Weihnachten war so nahe, doch würde ihnen die Zeit reichen, Weihnachten zu retten?

Sandmann

Es ist die schönste Zeit des Jahres. In jedem Haus fand der Sandmann andere schöne Weihnachtsdekoration vor, während er sich um das Wertvollste der Menschen kümmerte. Ihren Schlaf. Er liess durch die spürbar grösseren erwachten Gefühle der Menschen auch ihre Träume fantastischer ausfallen, um die Vorfreude auf Weihnachten weiter zu steigern… Der Traum vom Fliegen. Du bist Pilot eines roten Doppeldecker Flugzeuges und vollführst damit die waghalsigsten Flugakrobatiken in der hohen Luft, die man sich vorstellen kann. Du ziehst deine Maschine senkrecht hoch in den Himmel bis zu einem bestimmten Punkt. Du lässt sie kurzzeitig ins Leere fallen und sie kurz darauf aus voller Kraft wieder aufzufangen. Den Träumen sind keine Grenzen gesetzt. Er liess seinen Schlafsand über das Kind rieseln und beobachtete, was sich noch Weiteres aus seinen Träumen entwickelte. Plötzlich musste das Kind kurz niesen und war nah dran wieder aufzuwachen. Er hatte etwas vom kalten Sand miterwischt. Sein zuhause war seit einer Ewigkeit die Wüste nahe der Stadt Ain Sefra, Algerien, welche durch ihre Nähe zur Sahara Wüste auch gerne das «Tor zur Wüste» genannt wurde. In vergangener Zeit wurde es immer öfter von seltsamen Wetterphänomen heimgesucht und es schneite in der Kälte der ansonsten so heissen Wüste. Die ganze Gegend wurde unter einer dichten Scheedecke begraben, was dazu führte, dass Sandmanns Sand deutlich kälter wurde und es ihm öfters erschwerte durch den erkalteten Schlafsand die Menschen zum Einschlafen

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zu bringen. Keine einfachen Zeiten. Aber ein Sandmann gab nicht einfach so auf, erst recht nicht,

wenn Weihnachten so unmittelbar vor der Tür stand. Er liess dann einfach seinen Einfallsreichtum spielen und mischte kälteren mit wärmerem Sand. Dadurch erhielt er eine recht verlässliche Mischung, die sich gut für den Einsatz eignete. Er konnte sehen, wie das Kind zunehmend in tieferen Schlaf versank und sich seine Atmung zu verlangsamen begann. Was gab es Schöneres als einen gesunden tiefen Schlaf. Er würde noch eine Weile bleiben, bis er seinen Schützling in Sicherheit des Tiefschlafes wusste, bevor er seinen Weg zum nächsten Menschen fortführte, der den Schlaf nicht finden konnte. Plötzlich empfing er ein Signal der Wächter des Lichts auf seinem Transponder. Er visualisierte die Nachricht, die vom Weihnachtsmann eingegangen war: «Wächter, es ist etwas vorgefallen. Ihr müsst dringend zum Nordpol kommen. Ich weiss nicht wie lange ich dieses Signal noch…» Die Botschaft brach mitten drin ab, bevor er die Nachricht zuende hören konnte. Irgendetwas schien nicht zu stimmen. Der Zeitpunkt dafür kam denkbar ungünstig. Zum Einen stand Weihnachten direkt vor der Tür und es waren noch so viele Menschen, die auf seinen Schlafsand warteten. Würde er jetzt einfach so abbrechen, erhöhte er die Chancen, dass der Schwarze Mann zu ihnen finden würde. Der Unheilsbote, der für die Alpträume und Ängste der Menschen zuständig war. Aber das liess sich jetzt leider nicht ändern. Die Wächter hatten gerufen. Höchste Zeit zum Nordpol aufzubrechen. Er schwebte aus dem Zimmer, erhob sich in die Lüfte und düste Richtung Norden davon…

Zahnfee

Die Wächter befanden sich im Mischwald von Hallerbos, Belgien. Eine riesige Fläche Wald, aber karg zu dieser Jahreszeit. Sie liessen alle ihre speziellen Fähigkeiten spielen, um gefolgt auf ihre letzten Sprünge, an diesem Ort eine Spur auf den Urheber aller Veränderungen und des entstandenen Chaos zu finden. Sie beobachteten konzentriert den ruhigen Ort dichter Bäume. Der Weihnachtsmann setzte eine seiner neusten Fähigkeiten wieder ein, um ihrer aller Wahrnehmung zu verstärken… Er kniete nieder und berührte mit der rechten Hand den Boden. Augenblicklich veränderte sich das Bild vor ihren Augen, kniehoher Dunst überzog plötzlich den ganzen Boden und sie standen in einem Meer voller blauer Blumen. Ihre Sinne wurden beim Anblick geschärft, währenddem die Zahnfee sich an den Moment zurück erinnerte, als sie bei der Zentrale am Nordpol aufgebrochen waren. Um ihre Suche an Orten zu beginnen, denen man auf der Erde eine besondere Bedeutung gab. Ihr erster Sprung führte sie nach England. In die Ruinen von Glastonbury. Inmitten der anmutigen Überreste aus Stein landeten sie auf einen grünen Fläche. Über diesen Ort gab es viele Mythen in Zusammenhang mit König Artus. Ob dies einst tatsächlich die sagenumwobene Insel Avalon war bis hin zu seiner letzten Ruhestätte. Denn Glastonbury war auch umringt von Wasser. Die Wächter begannen ihre speziellen Fähigkeiten einzusetzen, um den Ort genauer auf Spuren zu Analysieren. Guter Geruchssinn des Osterhasen. Der Sandmann konnte jegliche Art von Gefühlen wahrnehmen. Die Zahnfee nahm kleinste Details wahr und konnte daraus intuitive Schlüsse ableiten. Jack Frost konnte Veränderungen in der Luft wahrnehmen. Und der Weihnachtsmann konnte andere Eigenschaften in Einsatz bringen. Für den aktuellen Zweck hatte er das Gefühl, die Verstärkung der Eigenschaften aller Wächter könnte ein Schlüssel sein. Er kniete nieder auf den Boden und legte seine Hand auf die grüne Fläche. Eine Veränderung begleitet mit einem lauwarmen Wind ging über die Lichtung als sie sich plötzlich inmitten von reitenden Rittern in Rüstungen befanden. Die Ritter der Tafelrunde um König Artus ritten an ihnen vorbei, umringt von sonstigem Mittelalterlichem Treiben und versetzte die Wächter in Staunen. Der Osterhase sagte: «Wie machst du das, Santa?» «Ist eine Fähigkeit, die ich neu entdeckt habe. Ich kann beliebige Momente eines Ortes spüren und sie visualisieren» «Können die uns sehen?» «Nein, es ist nur wie eine Art Fenster in diese Zeit».

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Durch seine Aktion hatten sie gleichzeitig allesamt verschärfte Sinne bekommen. Doch konnten sie nichts ausmachen, was ihnen seltsam vorkam bzw. ihnen irgendeinen Hinweis gab. Sie beschlossen also zum nächsten Punkt weiter zu springen. Sie landeten an einen offenen steinigen Ort in Griechenland, der die Überreste eines Tempels hatte mit einem Kreis darin. Der Ort des Orakels von Delphi. Sie verteilten sich rund um den Weihnachtsschlitten herum und begannen mit ihrer Analyse des Ortes. Derweil kniete sich der Weihnachtsmann wieder nieder und legte seine Hand auf den Boden. Die erwachende Vision über die Legende von Delphi liess den hellseherischen Drachen Python aus dem Nichts erheben und über ihre Köpfe fliegen, um aufgrund seiner Angriffe gegen die Götter vor ihren Augen von Gott Apollon getötet zu werden und sein Blut in den Boden des Ortes fliessen zu lassen. Seine Fähigkeiten wurden an den Ort übertragen. Eine weitere Vision zeigte Priesterinnen knienend in Trance, die Botschaften des Orakels empfangen konnten und an Empfänger weiter geben konnten. Die Wächter beobachteten aufmerksam das Geschehen, doch die meisten konnten wiederum kaum etwas ausmachen, das ihnen weiterhelfen würde. Einzig die Zahnfee bekam das Gefühl, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen hatten, um früher oder später auf den richtigen Hinweis zu stossen. Sie verliessen also diesen Ort und sprangen weiter. Ein wild verwachsener Wald am Fuße des japanischen Berges Fuji. Aokigahara, der Wald der Geister. Der Weihnachtsmann warnte sie besonders dicht beim Weihnachtsschlitten zu bleiben, aufgrund der Vision, die sie ereilen würde. Er kniete nieder und legte seine Hand auf den Boden. Augenblicklich wurde es richtig unheimlich im Wald um sie herum und seltsame Geräusche drangen immer mehr an ihre Ohren. Knackendes Holz, ein Flüstern im Wind, dort ein verschwindender Schatten. Zunehmend hatten sie das Gefühl sich bewegende Schatten durch den Wald huschen zu sehen, die dann auf unterschiedlichste Art und Weise zu Boden stürzten und wieder verblassten. Während es bei allen für seltsame Gänsehaut führte und unruhiges hin und her sehen, was da gerade um sie herum geschah, traf es am stärksten Sandmann, dessen ansonsten stets lächelndes Gesicht sich in ein Schluchzen wandelte… Seit jeher sprach er kein Wort sondern verständigte sich nur mit Gestikulierungen. Er deutete also den anderen Wächtern durch seine Handzeichen, dass er aufs Übelste befürchtete, dass sie versagen würden und keine nennenswerten Spuren finden werden. Einig mit ihm, dass sie bislang nur sehr wenige Andeutungen gefunden hatten erfüllte sie ein Moment des tiefer werdenden Zweifels, ob sie das ausgebrochene Chaos vor Weihnachten überhaupt noch rechtzeitig stoppen konnten. Der Weihnachtsmann liess den Boden los und bestätigte die Wächter mit einer wichtigen Botschaft: «Wir haben hier genau das gefühlt, was wir fühlen sollten… Wir mussten begreifen, dass wir uns noch mehr anstrengen müssen, in der Stunde der Verzweiflung, um der Lösung des Rätsels auf die Spur zu kommen. Lasst uns nicht länger an diesem traurig depressiven Ort verbleiben und zum nächsten Ort springen. Wenn man zu lange an diesem Ort bleibt, kann es einem weitaus mehr kosten, als nur der Verstand.» Nach ihrem nächsten Sprung landeten sie auf einer Wiese an einem See, umringt von beeindruckenden Felsformationen um sie herum. Sie verteilten sich um den Ort in sich aufzunehmen. Die Externsteine im Teutoburger Wald in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Der Weihnachtsmann kniete sich nieder und legte seine Hand auf den Boden. Die ganze Gegend begann langsam zu grummeln und zu beben und um sie herum begann es zu zischen. Der Osterhase verlor gar glatt kurz sein Gleichgewicht und stürzte zu Boden, um gleich wieder aufzustehen. Die anderen Wächter blieben zur Sicherheit auch auf dem Boden, um nicht irgendwie durch die Luft geschleudert zu werden. Wind und Wetter wechselten sich schnell ab von Sommer bis Winter in immer schnellerer Abfolge. Die Gegend schien zum Leben zu erwachen und über die vergehende Zeit wandelte sich die Form der Externsteine, die allem Anschein nach uralt sein mussten. Grotten entstanden, um wieder zu verschwinden. Dasselbe geschah mit Wegen um sie herum. Während sie voller Staunen den Geschehnissen beiwohnten, war es Jack Frost,

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der einen neuen Hinweis zu Finden glaubte. Er hatte hier nun allerlei gesehen. Welche Kräfte der Natur hier gewirkt haben mussten, damit diese eindrucksvollen Felsformationen entstanden waren. Weltweit wurden sie seit Beginn der Veränderungen auch Zeuge von anderen Kräften der Natur. Alleine durch den Umstand, dass die Nordlichter verschwunden waren. Wonach sie also immer suchten, konnte etwas mit Kräften der Natur zu tun haben. Sie sammelten sich wieder und sprangen zum nächsten Ort. Augenblicklich wurde es stockdunkel und Felsenwände bewegten sich ganz eng über ihre Köpfe hinweg. Umgeben von Dunkelheit landeten sie an einem kleinen trockenen Nischenplatz, umgeben von plätscherndem Wasser in der Schwärze der Dunkelheit. Vorsichtig traten sie dicht neben den Weihnachtsschlitten, um nirgendwo hin zu stürzen. Die Zahnfee benutzte ihren Zauberstab, um ihnen dabei etwas Licht zu geben, bis sie alle sicheren Boden unter den Füssen hatten. Santa wies sie an ihr Licht auszumachen, währenddem er sich nieder kniete und den Boden berührte. Augenblicklich schärften sich ihre Sinne und sie konnten so klar sehen wie kein anderes Tier der Nacht. Sie befanden sich direkt neben einem unterirdischen See und an dessen Decke konnten sie über die Zeit verschiedenste Leuchtformationen von Glühwürmchen sehen. Sie befanden sich in den Glühwürmen Höhlen von Waitomo in Neuseeland. Nach gemeinsamer Analyse über das Erlebte hier kamen sie zum Schluss, dass was sie suchten nicht zwingend etwas Greifbares oder Sichtbares an der Oberfläche des Planeten sein musste. Sondern sich auch unter dem Boden befinden könnte. Durch die neu gewonnene Erkenntnis kehrten sie alle wieder in den Weihnachtsschlitten zurück und sprangen zum nächsten Ort… Sie befanden sich im Mischwald von Hallerbos in Belgien. Ein Ort der Ruhe, ging es der Zahnfee durch den Sinn, so man seinen Geist treiben lassen konnte, beim schönen Anblick der Natur und den prachtvoll blauen Blumen. Energie tanken, Kraft tanken. Während sie sich alle vom blauen Blumenmeer der Vision verzaubern liessen, meldete sich die Zahnfee zu Wort: «Ich glaube ich habe einen wichtigen Hinweis erkannt, wie wir die Quelle für all das wachsende Chaos finden können. Wir konnten bisher einige Hinweise sammeln: Wir hatten das Gefühl den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Wir müssen uns mehr bemühen. Es kann mit den Kräften der Natur zutun haben. Und es ist sehr gut möglich, dass wir es eher unterirdisch finden werden. Daher denke ich , dass wir nach Energieorten der Welt weiter suchen müssen» Ihre Schlussfolgerungen klangen absolut nachvollziehbar. Und so setzten sie umgehend an, von nun an zu Kraftorten zu springen, um dort weitere Hinweise zu finden… Es folgten einige Sprünge quer über den Globus. Einer der Sprünge führte sie zum markanten Hügel Uluru im Outback von Australien. Sie landeten auf dem Plateau und verteilten sich. Einer der Kraftorte der Welt, der verbunden war mit den zahlreichen Weiteren. Santa suchte wieder Bodenkontakt mit seiner Hand. Sie sahen wie sich die Gegend im Laufe der Zeit veränderte und Santa konnte Energielinien für sie am Boden sichtbar machen, die in alle Himmelsrichtungen davon gingen. Ihre Reise musste zu weiteren Punkten weiter gehen, um weitere Hinweise finden zu können. Sie stiegen also umgehend wieder in den Schlitten und sprangen davon. Einer der folgenden Sprünge führte sie auf ein abschüssiges Gelände inmitten eines Waldes. Abgestiegen und verteilt ging es von vorne los. Die Hand von Santa wanderte auf den Boden und setzte die Energie frei. Voller Verwunderung stellten sie durch die visionäre Reise durch die Zeit verblüfft fest, dass sie sich auf einer Pyramide befanden. Eine der Pyramiden in Bosnien, die es Aufzeichnungen zu Folge bereits weit aus länger gab als die Pyramiden von Gizeh in Ägypten und die fest vergraben unter vieler Jahre Wachstum Wald standen. Wiederum machte Santa die Energielinien für sie sichtbar, die in alle Richtungen davon gingen. Einen kurzen Moment später, waren sie alle wieder auf dem Weihnachtsschlitten und sprangen wieder los. Nach ein paar weiteren Sprüngen landeten sie im Schnee und Kälte eines hohen Gipfels und musste sich alle zur Sicherheit an den Schlitten anbinden, damit keiner davon rutschte. Der Peak Kailash in Tibet. Santa steckte seine Hand in den Schnee, wodurch sie alle die Kraft und Energie dieses Gipfels über

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die Zeit zu spüren begannen. Das sichtbar werdende Netz von zahlreichen stärkeren und schwächeren Energielinien in alle Richtungen wurde erkennbar. Plötzlich traf inmitten der gezeigten Vision den Osterhasen eine persönliche Vision, die vom Land hinaus ins Meer deutete. Er wies die anderen Wächter darauf hin, dass er spürte, dass ihr nächster Sprung an einen Ort im Ozean gehen musste. Schnell sprangen sie in der Eiseskälte wieder auf den Schlitten auf und sprangen wieder los, um zur vollen Verwunderung des Osterhasen auf einer ganz bestimmten Insel zu landen. Auf ihr befinden sich eine der wunderbarsten Kreationen auf der Erde aus Stein, in Form von riesigen Steinköpfen, die aus der Erde rausragen. Sie waren auf der Osterinsel, dem zuhause des Osterhasen gelandet. Soviel er über sein zuhause wusste, war ihm dieser Umstand tatsächlich entgangen, obwohl er immer gespürt hatte, dass er an einem ganz speziellen Ort lebte. Einer der vielen Kraftorte der Welt. Santa streckte seine Hand zu Boden, damit sie alle die nächste Vision erleben konnten und ihnen die Geheimnisse der Insel offenbarten. Für die Menschen sind diese bis heute noch ein Rätsel und werden es auch noch lange bleiben. Es folgten die sichtbaren Energielinien, wieder in unterschiedlichsten Stärken in alle Himmelsrichtungen. Die Zahnfee hatte eine neue Schlussfolgerung. Sie bat den Weihnachtsmann mit seinen Fähigkeiten den stärksten Linien weltweit zu folgen und auf Verzweigungen zu achten. Da er die Erde gut kannte, sollte er durch sein globales Vorstellungsvermögen versuchen zu erkennen, ob es neue Abzweigungen gab, die nicht ins bisher bekannte Netz der Welt gehörten. Er kniete nieder und legte seine Hand auf den Boden, um sich mit dem Energienetz zu verbinden. Er erhöhte seine Konzentration und flog gedanklich in Blitzgeschwindigkeit über die Erde den Energieströmungen folgend. Er überquerte viele Abzweigungen, kam an vielen bekannten Kraftorten vorbei und schrak dann Erschrocken zurück. Er fokussierte sich auf eine bestimmte Gegend, um seine gewonnene Vermutung genauer zu untersuchen und dann zu bestätigen: «Liebe Wächter. Die Zahnfee hatte eine richtige Vermutung. Inmitten des globalen Netzes von Energielinien, gibt es 2-3 Dinge, die mir gerade aufgefallen sind. Zum einen gibt es im gesamten Netz der Energielinien merkwürdige Signaturen, eine Art Spuren von etwas Fremdem, was ich nicht kenne. Es scheint fast so, als würde irgend etwas die Energielinien als Wege benutzen, um schnell zwischen Punkten auf der Erde hin und her zu reisen. Zudem gibt es auf einmal einen neu entstehenden Kraftort. Dieser Ort nimmt enorm viel Energie auf und gibt sie wieder ab. Dieser Ort befindet sich an nördlichen Rand der Alpen in Europa. Genauer gesagt, am See eines unserer weltweiten Wachttürme, dem Schloss Neuschwanstein. An diesem Ort spüre ich ebenso verstärkte fremde Spuren, die dieselbe Signatur tragen, wie auf dem globalen Netz. Dieser Ort beginnt zudem zunehmend magnetische Impulse auszusenden, so als ob dort der neue magnetische Nordpol am Entstehen wäre. Wir müssen also so schnell wie möglich dahin aufbrechen, da ich vermute, dass wir dort die Quelle allen Unheils finden werden. Noch haben wir Zeit, auch wenn sie knapp wird» Sie hetzten ein letztes Mal in den Schlitten, für einen letzten Sprung…

Osterhase

Er verliess einen seiner unterirdischen Springtunnel, und landete mitten in der Nacht auf der gut beleuchteten Farm des Weihnachtsmannes am Nordpol, wo für diese Uhrzeit ein ungewöhnlich warmer Wind wehte. Die Springtunnel transportierten ihn quer über die Erde hin und her in kürzester Zeit, damit er seine Aufgabe als Osterhase jederzeit und überall wahrnehmen konnte. Nun war er zusammen mit den anderen Wächtern hierher gerufen worden, weil etwas Beunruhigendes vorgefallen war. Die Zusammenkunft der Wächter des Lichts war von Nöten, um der Sache auf den Grund zu gehen und dafür zu sorgen, dass das morgige Weihnachten nicht in Gefahr geriet. Er blickte um sich und stellte fest, dass er auf der Farm wohl einer der ersten sein musste und dass so wenig Schnee lag, dass man überall grüne Flächen sehen konnte. Sehr ungewöhnlich so hoch im Norden.

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Auch war es entschieden zu warm, vor allem für eine so sternenklare Nacht, wie sie es gerade heute war. Es müsste eigentlich klirrend kalt sein und seine Schnurrhaare augenblicklich gefrieren. Er blickte gen Nachthimmel, um diesen genauer unter die Lupe zu nehmen. Er konnte Jack Frost mit seinem weiss leuchtenden Stab herbei fliegen sehen, der direkt neben ihm landete. «Hey Osterhase, na, auch schon da? Lange nicht mehr gesehen» «Ja, gerade angekommen» Verwundert blickte Jack Frost um sich: «Was hat denn der Weihnachtsmann angestellt?» «Wieso meinst du?» «Na sieh doch mal um dich… Wo ist der ganze Schnee, der zu dieser Jahreszeit hier üblicherweise liegen sollte?» «Ich glaube nicht, dass das der Weihnachtsmann verursacht hat. Ich befürchte eher, dass das genau der Grund ist, warum wir hier sind. Der ungewöhnlich warme Wind gefällt mir gar nicht» «Ja stimmt, jetzt wo du es sagst.» Der Weihnachtsmann trat von hinten zu ihnen und sagte: «Und nun blickt zum Himmel und sagt mir was ihr da sehen könnt?» Alle blickten angestrengt zum Himmel. Doch Jack und der Osterhase konnten nichts erkennen, als die Zahnfee herbei flog: «Hallo zusammen. Was gibt’s denn da zusehen? Wo ist die Aurora Borealis?» Der aufgeweckte Osterhase war verdutzt, dass es ihm nicht gleich aufgefallen war: «Hey Zahnfee. Schön hast du es auch geschafft. Die Nordlichter. Sie fehlen! Du hast recht.» «Aber wie soll denn das möglich sein. Die Nordlichter können doch nicht einfach verschwinden?» entgegnete Jack Frost. «Richtig», sagte der Weihnachtsmann bedenklich, «verschwinden können sie nicht einfach. Tun sie es doch, dann haben wir ein Problem» Jack Frost musste niesen, weil ihn ein Sandkorn gekitzelt hatte. Der Sandmann schwebte zu ihnen herunter. Jack Frost meinte neckisch: «Na Sandmann, auch schon da? Verschlafen oder warum bist du mal wieder Letzter?» Der Sandmann protestierte lautlos mit sich bewegenden Lippen, wild mit seinen Händen gestikulierend und ohne ein Wort zu sagen. Der Weihnachtsmann sagte: «Ja, es sagt ja auch niemand was, Sandy. Jack meint es nicht so. Du kennst ihn doch. Wir wissen, dass es bei dir immer etwas länger dauert. Kommt rein, wir haben Dringendes zu besprechen.» Im grossen Besprechungsraum befand sich eine grosse schwebende Kugel in Rotation, die die Erde darstellte. Sie nannten sie die Kugel der Vorsehung. Sie standen alle daneben als der Weihnachtsmann fortfuhr: «Als wir vor ein paar Stunden auf dem Rückweg waren von einem letzten Flug mit dem Weihnachtsschlitten zwecks Weihnachtsvorbereitungen, hatte Rudolph plötzlich Schwierigkeiten mit dem Anpeilen des Nordpols und wir sind etwas abseits unserer üblichen Position über dem Gebiet der Farm angekommen. Eine kurze Analyse mittels der Kugel der Vorsehung hat gezeigt, dass das übliche starke Kraftfeld, dass von dieser Region ausgeht, verbunden mit den Nordlichtern stark zu schwanken begonnen hat, um schliesslich immer schwächer zu werden. Das ist der Grund, warum ihr vermutlich auch meine Nachricht nicht komplett erhalten habt, weil verschiedenste Dinge wie z.B. das Versenden von Nachrichten auf einmal nur noch schwer geht. Und seit heute Nacht sind zu meinem Erstaunen auch die Nordlichter komplett verschwunden.» «Was hat das zu bedeuten? Ein Kraftfeld kann doch nicht einfach verschwinden» sagte der Osterhase erstaunt. «Ja, einfach verschwinden können sie nicht. Es sei denn, etwas hat sich geändert, sagte der Weihnachtsmann.» «Aber wie kann sich das denn ändern? Wir sprechen hier doch über primäre Funktionen der Erde selbst, die über Jahrmillionen entstanden sind. Es hat doch mit den existierenden magnetischen Polen zutun.» fragte Jack Frost. «Genau deswegen sind wir zusammen gekommen. Denn so etwas geschieht nicht auf natürliche Art und Weise. Zumindest falls doch, dann niemals in der Geschwindigkeit, wie wir es hier gerade erleben, innerhalb Stunden. Ich spüre, dass etwas Aussergewöhnliches in Gang gesetzt wurde. Es könnte uns nicht nur Weihnachten kräftig vermiesen, sondern auch reichlich anderen Ärger bzw. verheerende Auswirkungen auf der ganzen Welt verursachen.» erklärte der Weihnachtsmann. Der Sandmann gab ein paar Handzeichen gefolgt von einem formierten Fragezeichen in der Luft aus Sand. Die Zahnfee sprach für ihn: «und was sollen wir dagegen unternehmen?» «Wir müssen uns auf die Suche nach der Ursache machen. Eine Ursache,

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die wir nicht hier im Raum finden können. Aktivitäten wie die des schwarzen Mannes zum Beispiel können wir hier auf unserer Kugel sehen, weil unsere Kugel mit dem Kraftfeld hier verbunden ist. Sie gewährt uns deswegen einen Blick auf aktuelle Geschehnisse auf der Welt und ermöglicht uns zudem einen weiteren Blick ein paar Minuten in die Zukunft. Aber was auch immer da draussen geschieht, es konnte von der Kugel weder erfasst noch interpretiert werden, weil es offenbar ein für sie unbekannter Faktor ist. Ein Faktor, der im bekannten Gedächtnis der Welt nicht existiert. Zudem ist auch die Kugel der Vorsehung zunehmend stärkeren Energieschwankungen unterworfen. Es kann uns durchaus passieren, dass das Kraftfeld, welches bislang diese Farm mit magischen Elementen versehen hat, komplett verschwinden wird. Am sichersten sind wir also unterwegs. Zumal mich das Gefühl nicht loslässt, dass wir nur solange Zeit haben, bis in der Nacht des Heiligen Abends die Nordlichter an einem neuen Ort erscheinen.» sagte der Weihnachtsmann abschliessend. Der Osterhase entgegnete: «Und was passiert, wenn wir die Ursache bis dahin nicht finden können?» «Dann wird die Welt, wie wir sie kennen und über all die Zeit tatkräftig beschützt haben, nicht mehr länger existieren» sagte der Weihnachtsmann nachdenklich. Jack Frost erklärte kampfbereit: «Dann nichts wie los, Santa. Lasst uns aufbrechen und keine weitere Zeit verlieren.» Einig darüber schritten sie wieder in den Hof hinaus, wo immer noch die Dunkelheit der Nacht herrschte, um auf den bereitstehenden Weihnachtsschlitten, mit den sieben Rentieren davor gespannt, zu springen. Angeführt von Rudolph würden sie sofort auf diese neue Reise aufbrechen. Kurz vor dem Absprung bemerkten sie eine plötzlich schnell einsetzende Dämmerung in Begleitung des stark leuchtenden Polarsterns am Himmel. Der Osterhase sagte: «Wie jetzt? Haben wir die ganze Nacht verplappert?» «Nein, Hase, wir werden gerade Zeuge eines weiteren ungemütlichen Effektes. Es scheint nicht nur der Fall zu sein, dass sich die Kraftfelder der Erde in Bewegung gesetzt haben, sondern dass auch die Zeit damit begonnen hat in einen anderen Rhythmus zu wechseln. Ein Zeichen dafür, dass wir keine Zeit verlieren dürfen und umgehend zum ersten Ort auf der Erde springen müssen, um mit unserer Suche zu starten. Mir fällt da ein ganz bestimmter Ort in England ein. Rudolph, lies meine Gedanken und bring uns hin» schloss Santa und der Weihnachtsschlitten hob ab, schoss Richtung Morgendämmerung und verschwand mit einem lauten Donnerknall im Nichts…

Jack Frost

Während ihrer Suche nach der Ursache der Veränderungen auf der Welt hatten sie bereits ein paar Sprünge über die Welt zurückgelegt. Zunehmend bekam Jack das seltsame Gefühl, dass etwas in seiner Heimat im Norden Sibiriens, dem Gebiet um die Stadt Ryrkaipij nicht mehr stimmte. Nachdem sie schon vor Beginn der Reise die beschleunigten Klimaveränderungen am Nordpol und ungewöhnliche Zeitverschiebungen festgestellt hatten, konnte das gleichermassen bedeuten, dass sich in der Zwischenzeit auch seine russische Heimat bedrohlichen Veränderungen ausgesetzt sah. Er wandte sich also kurz an den Weihnachtsmann: «Santa, ich habe da gerade ein mulmiges Gefühl im Magen bekommen, dass etwas in meiner Heimat nicht mehr stimmt. Ich muss kurz dahin fliegen und nach dem Rechten sehen.» «Ich verstehe deine Sorge. Aber es dauert zu lange bis du wieder zurück bist. Wir brauchen dich als Teil des Teams. Lass mich ganz kurz überlegen, wie wir das anders Lösen können.» Ein kurzer Moment verstrich. Santa machte einen ungewöhnlichen Vorschlag: «Rudolph ist seit jeher in der Lage schnellste Sprünge über den Globus auszuführen. Wir brauchen ihn aber gleichzeitig hier, um unsere Suche weiter fortzuführen. Ich habe ihn soeben mit der Eigenschaft versehen, dass er an mehreren Orten gleichzeitig sein kann. Du kannst also sofort mit ihm nach Sibirien springen. Du musst allerdings schnellstens wieder zurückkommen, damit er nicht seinen Fokus auf die Hauptmission verliert.» «Selbstverständlich» sagte Jack Frost und sprang mit Rudolphs Hilfe in den Norden von Sibirien. Es war Tag und auch hier ungewöhnlich warm für die Jahreszeit.

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Üblicherweise waren grosse Eisflächen zu sehen, die unter anderem wichtig waren, damit sich die Eisbären weit weg von den Siedlungen aufhielten, um dort ihrer Nahrungssuche nach zum Beispiel Robben nachzugehen. Doch nun fehlten diese grösstenteils und selbst in der Ortschaft lag kaum noch Schnee. Unweit ihrer Position konnten sie deshalb einen streunenden knurrenden Eisbären ausmachen, der auf direktem Kurs Richtung Siedlung war. Mit ein paar gezielten Eisblitzen, konnte er dem Eisbären klar machen, dass er sich in die andere Richtung weiter bewegen musste, ohne ihn zu verletzen. Da Jack wie die anderen Wächter des Lichts die Erde und alle Lebewesen gleichermassen achtete, liess er kurz seine Kräfte spielen, um in den warmen Temperaturen der Küste entlang ein paar Eisfelder entstehen zu lassen, um die Eisbären auf Distanz zu halten. Er sorgte auch für eine Eisverknüpfung in tieferes Gewässer hinunter. Dort gab es kältere Strömungen, die dem Eis helfen konnten bestehen zu bleiben. Klar war aber jetzt schon, dass dies keine Aktion auf Dauer war und dass er in kurzen Abständen wieder hierher springen musste, um weitere neue Eisflächen zu erschaffen, um einerseits eine Bedrohung der Siedlungs Bewohner durch Eisbären einzudämmen und die Eisbären gleichzeitig möglichst in ihrem gewohnten Lebensraum dem Eis zu wissen. Jack und Rudolph sprangen augenblicklich wieder zurück auf den Weihnachtsschlitten…

Der schwarze Mann

Die lange Nacht näherte sich dem Morgen und er war schon lange nicht mehr so beschäftigt wie seit dieser Nacht. Aus dem Nichts hatte es begonnen. Rasant zunehmend hatte er wachsende Angst unter den Menschen wahrgenommen, da sie spürten, dass sich etwas auf der Erde veränderte und in Gange war. Und da die Menschen doch grösstenteils eng mit der Erde verbunden waren, begannen sie auch schnell andere Gefühle auszustrahlen. Sobald sich die Erde anders zu verhalten begann, als es für sie gewöhnlich war. Ihre Angst war für ihn wie ein Magnet und zog ihn magisch an. Ihre zunehmende Ängstlichkeit und Verunsicherung, gewährte es ihm viel leichter ihnen schlechte Träume zu verpassen bis hin zu den komplexesten Alpträumen. Sie wachten erschrocken auf mit Herzrasen, um sich wieder hinzulegen und weiter schlecht zu Träumen. Umso mehr Menschen er mit seinen Fähigkeiten erreichen und beeinflussen konnte, umso mehr stieg auch seine allgemeine Reichweite und Fähigkeiten. Er erreichte mehr Menschen gleichzeitig und konnte schlimmere Alpträume zum Leben erwecken. In Anbetracht der unmittelbar bevorstehenden Weihnachten waren ihre erwachenden traurigen Gedanken die beste Ausgangslage für ihn, um ihre Emotionen noch mit mehr Traurigkeit zu verstärken: Geschenke nicht mehr rechtzeitig finden. Familie hat keine Zeit für Weihnachten. Die Familie zerstreitet sich… Durch seine ganz eigene Bindung zu Knotenpunkten auf der Erde, konnte er mittlerweile immer häufiger spüren, dass das Ganze von irgendeinem unbekannten Fremden ausgelöst wurde. Dieser tauchte immer wieder für kurze Zeit auf seinem Radar auf, um gleich wieder zu verschwinden. So als ob er ständig auf der Erde hin und her springen würde. So ähnlich wie es der Weihnachtsmann tat. Doch dessen Energie Ausstrahlung kannte er nur zu gut und hielt ihn sich bewusst fern, weil dessen Ausstrahlung zu positiv war. Er musste also unbedingt den Fremden finden. Es war Zeit, um in dieser glorreichen Situation über ein Bündnis zu sprechen. Eine neue Art von Weihnachten einzuläuten, die niemand mehr je vergessen würde. Der Beginn einer komplett neuen Zeit. Bei dem schrecklichen Gedanken begangen seine ohnehin schon dunklen Augen richtig schwarz zu Leuchten und ein düsteres Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus…

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An Bord der ISS

Major Tom vernahm ein PIEP Signal. Eine Verbindung zur Erde wurde aufgebaut. Die Bodenstation in Houston meldete sich: «Major Tom. Können Sie uns hören?» «Ja, klar und deutlich. Haben sie

unseren Bericht und Analyse erhalten?» «Ja ist angekommen. Allerdings können wir ihre Werte hier unten nicht bestätigen. Keiner der von Ihnen genannten Werte ist hier unten ebenfalls aufgetreten. Bitte überprüfen Sie nochmals ihre Instrumente für eine neue Messung» «Dies ist nicht nötig. Wir haben die Messungen in 2-3 Kurzabfolgen bewusst hinter einander gemacht, um eine Anomalie auszuschliessen» «Dann starten sie die Systeme neu» «Bei allem gebürtigen Respekt, Bodenstation. Ich kenne die allgemeine Vorgehensweise. Diese Schritte sind in diesem Fall nicht nötig. Mehrere Astronauten hier oben können dieselben Erlebnisse bezeugen. Wir haben uns das nicht eingebildet. Es bedarf keiner Neumessung unserer Werte.» Für einen Moment herrschte Funkstille bzw. Rauschen in der Leitung. Dann meldete sich wieder eine Stimme: «Wie Sie wissen kann Schwerelosigkeit und ungeplante schnelle Rotationsmanöver unerwartete Nebenwirkungen haben» «Wie darf ich das jetzt verstehen?» «Wir bitten sie eine Eigendiagnose auf Weltraumkoller durchzuführen. Sobald die Ergebnisse ihres Teams vorliegen, werden wir weitere Schritte besprechen» Major Tom seufzte leicht verärgert. Er befürchtete, dass auf der Erde möglicherweise etwas Gefährlicheres in Gange war, was von blossem Auge nicht wahrzunehmen war. Aber die aktuell stark wechselnden Wettersysteme waren für ihn schon Grund für Beunruhigung. Das Einzige, was er im Moment tun konnte war, schleunigst die Gesundheitsdiagnose des Teams durchzuführen. Nach vorliegendem Resultat konnte er dann bei der Bodenstation ggf. eine neue Überprüfung der allgemeinen Lage erwirken: «Bestätige Bodenstation. Wir beginnen umgehend mit der Überprüfung. Over und out.» Er suchte seine entsprechende Checkliste und einen erste Hilfe Koffer raus und begab sich schwebend durch die Schwerelosigkeit zum Rest des Teams. Gedanken schossen ihm durch den Kopf. In welcher Welt lebten wir mittlerweile. Wie weit oder wie schlimm musste heutzutage eine Notlage auf der Erde gehen, bis die Menschen bereit waren die Ausmasse oder eine andere Tragweite zu erkennen und sofort zu handeln. Oder waren wir mittlerweile durch die täglichen schlimmer werdenden Ereignisse so weit abgestumpft, stets wachsende Katastrophen als normal zu betrachten, dass wir einen Unterschied nicht mehr sehen konnten? Vielleicht waren die Fachleute der Bodenstation auch durch zu viel Routine nicht motiviert genug, die Nachricht der ISS richtig zu verstehen und dadurch nicht in der Lage am richtigen Ort auf der Erde nach seltsam auftretenden Ereignissen zu suchen. Die Zeit lief… Und sie würden den Blick von der Erde nicht lassen, um jederzeit Bericht erstatten zu können.

Das unbekannte Element

war auf der Erde angekommen. Angezogen von einer ausgelösten Anomalie, rund etwa vor einem Erdenjahr. Es wurde ein Naturgesetz gebrochen und damit die Existenz allen Daseins im Universum gefährdet. Da das Element auf der Erde allerdings den Ursprung nicht genau lokalisieren konnte, sondern stattdessen eine allgemeine Präsenz überall gleichzeitig verspürte, war es klar was zu tun war. Denn für diese Korrektur blieb keine Zeit. Sie musste sofort erfolgen. Der Planet musste also in eine andere Rotation gebracht werden, wodurch sich auch die magnetischen Pole automatisch zu verschieben beginnen würden. Sobald die ausgeprägte Erscheinung dafür, in Form der Nord und Südlichter, in der nächsten Nacht am neuen Ort wieder erscheinen würden, würde sich die Anomalie von selbst mit der Zeit wieder lösen. Ausgelöst von seinen Fähigkeiten der gravitierenden Impulskraft, begann sich die Erde langsam zu verschieben und dadurch gerieten u.a. alle Wettersysteme auf der Welt umgehend in eine veränderte und instabile Lage. Phänomene, die bislang schleichend auf diesem Planeten durch Klimawandel zu spüren waren, erfolgten nun in

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vielfach höherer Intensität. Stärkere Niederschläge in kürzerer Zeit, schneller sinkende und viel tiefere Temperaturen, stärkere trockene und heisse Winde die Landschaften austrockneten, Schnee suchte Ortschaften heim, die bisher keinen kannten und legte diese u.a. durch plötzlich eintretende starke Schneestürme lahm. Es hatte begonnen. Das unbekannte Element errechnete sich den Ort, wo es den Abschluss der Korrektur verfolgen würde und brach auf zu einem ganz bestimmten See.

Sandmann

Es ereilten ihn beklemmende Gefühle von erkalteten Herzen. Er konzentrierte sich verstärkt auf seine Verbundenheit mit seinen Schützlingen. Er stellte entsetzt fest, dass sich die Dunkelheit schnell auszubreiten begann, angetrieben durch die wachsende Verängstigung der Menschen. Sie raubte den Menschen den Schlaf und nahm ihnen die Hoffnung auf schöne Weihnachten. Der schwarze Mann kehrte zurück, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Der Sandmann hampelte wild gestikulierend vor Santa’s Gesicht herum und deutete auf die Erde herunter. Santa erwiderte: «Ja, Sandy, ich habe es verstanden. Unser schlimmster Feind breitet sich wieder aus. Er nistet sich dort bei den Menschen ein, wo es sie am meisten trifft und Schmerzen verursacht. Ihre Herzen haben sich durch ihren ängstlichen Gefühlszustand empfänglich gemacht, damit er ihre Herzen wieder mit Traurigkeit füllen kann. Spring mit Rudolph herunter und zeige dem Schwarzen Mann, dass er es nicht wagen soll sich mit dem Geist der Weihnacht und den Wächtern des Lichts erneut anzulegen.» Sandy nickte kampfbereit und zufrieden und sprang mit Rudolph in ein Gebiet, dass von schlimmster Dunkelheit beherrscht wurde. Er entfesselte seine Armeen der guten Träume in Form grosser Sandformationen von Pferdeherden, die in die Dunkelheit galoppierten, um diese mit Licht zu sprengen und zu verdrängen. Delphinschwärme hineinschwimmen zu lassen, um die Dunkelheit heraus zu schwämmen. Es zeigte Wirkung. Er konnte spüren, wie einige Alpträume sich verzogen. Doch so erfolgreich seine eingesetzten Träume auch waren, formierten sich die flüchtenden Alpträume zum Gegenschlag und waren dabei ihre Richtung anzupassen, um sich auf ihn zu stürzen. Das war einer seiner leichtesten Übungen. Er liess einen grossen Blauwal aus Sand entstehen, der sofort sein riesiges Maul öffnete und die entgegen stürzenden Alpträume in sich verschlang, bevor sie zunahe kommen konnten. Der Blauwal schwamm fliegend weiter dicht über das Meer an Häuserdächern, darauf wartend weiteren Alpträumen zu begegnen und diese zu verschlingen. Derweil entsandte der Sandmann noch eine weitere gemischte Truppe aus Tigern und Nashörnern, damit sich wieder Ruhe ausbreiten konnte unter den Menschen und sich der schwarze Mann von hier zurückziehen musste. Die Lage schien sich zu bessern, die Dunkelheit lichtete sich und er liess hier seine Träume patroullierend zurück, um weiterhin die guten Träume der Menschen zu bewachen und ihnen weitere schöne Träume zu bescheren. Er sprang zurück mit Rudolph zum Weihnachtsschlitten, jederzeit dazu bereit einen weiteren Einsatzsprung vorzunehmen.

Zahnfee

Während ihrer zahlreichen Sprünge bekam sie immer mehr Meldungen, dass es beunruhigende Entwicklungen auch für sie auf der Erde gab. Der schwarze Mann breitete nicht nur erfolgreich seine Alpträume in grösserem Umfang aus, sondern schaffte es durch seine dunklen Visionen auch, den Glauben der Kinder zu verändern. Sie wollten nicht mehr glauben, dass sie ihre alten Zähne bloss unter das Kissen legen mussten, um für den hinterlegten Zahn ein Geldstück zu bekommen. Die Zahnfee würde ihre Zähne mit ihren Erinnerungen nicht mehr in ihre Obhut nehmen und bestens schützen. Es war also an der Zeit, ebenfalls mit Rudolph einzelne Sprünge zu tätigen, um die Kinder die Hoffnung wieder spüren zu lassen. Sie wies auch ihre geflügelten emsigen Gehilfinnen an, intensiver nach den Kindern zu suchen, welche grade frisch darüber am Nachdenken waren, ihre

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ausgefallenen Milchzähne zu hinterlegen. Sie mussten sie gegebenfalls einfach auf ihr Glück hin etwas schupsen, ev. unter Einsatz von etwas mehr Magie als sonst. Ein leichtes Kissen schütteln hier, einen angenehmen leichten Luftzug am Kind vorbei dort. Einen falsch platzierten Zahn zu Boden fallen zu lassen, um überraschend eine Münze auf anstatt unter dem Kissen zu platzieren. Auch sollten sie enger zusammenarbeiten mit den Zahnmäusen, die dieselbe Aufgabe wie sie verfolgten, einfach nur in bestimmten Regionen der Welt. Sie legten also ab sofort lieber ein Geldstück mehr hier und eine Perle mehr dort, bei den Kindern hin. Sie sorgten für ein paar verschlafen überraschte Kinder, die plötzlich ihren Augen nicht mehr zu trauen glaubten und ihnen lächelnd winkten, um in der Nacht zu verschwinden. Augenblicklich würde ein neuer Gefühlsimpuls in ihnen ausgelöst. Ein neuer Keim der Hoffnung, der ihre Herzen höher schlagen liess. Sie würden wieder mehr im Glauben bekräftigt, dass die Legenden und Erzählungen doch wahr waren, egal was sie eben schlecht geträumt hatten.

So auch wenn der Schwarze Mann im Moment wieder mehr Erfolg hatte als auch schon. Vermehrt mehr Unsicherheit und Angst unter den Menschen verteilen konnte, hatte die Zahnfee wieder einen Weg gefunden, um ihm die Stirn zu bieten. Die Kinder wieder von den richtigen Gedanken zu überzeugen. Sie würde mit Sicherheit nicht hier und jetzt damit beginnen dem Schwarzen Mann ihre geliebten Kinder zu überlassen. Kinder brauchten diese Art von positiven Gefühlen und Glauben. Es war fester Bestandteil einer guten Entwicklung, die Auswirkungen auf ihr ganzes Leben haben würden. Nachdem sie 2-3 Kinder wieder auf den Weg der Hoffnung geführt hatten, kehrte sie mit Rudolph wieder zurück auf den Weihnachtsschlitten und liess ihre Gehilfinnen die Arbeit fortführen.

Die Wächter des Lichts hatten derweil mit ihren Sprüngen schon einige wichtige Erkenntnisse gewonnen und kamen der Lösung des Rätsels immer näher.

Osterhase

Er hatte durch seine eigenen Sprünge durch seine Tunnels schon einiges Verrücktes erlebt. Doch, was er hier gerade mit den Wächtern des Lichts erlebte, übertraf alles bis dahin dagewesene. Nicht nur, dass sie zusammen quer über den Globus sprangen, um den Ursprung des Unheils schneller zu finden. Damit Weihnachten retten zu können, nein, so breitete sich durch den Urheber weiteres Unheil auf der Erde aus und jeder von ihnen hatte sprichwörtlich alle Hände voll zu tun. Kaum war ein Wächter wieder zurück auf dem Weihnachtsschlitten, schon musste der nächste wieder weg springen, um der wachsenden Bedrohung, ausgelöst durch die Veränderungen, die Stirn zu bieten. Noch nie kam es auf ihre gemeinsame Stärke so stark an wie gerade jetzt zu diesem Zeitpunkt. Er kam sich vor wie in einem Bienennest, so wild ging es zu und her. Obwohl er ähnliches natürlich auch von den Osterinseln gewohnt war mit seinen ganzen Hasen Gefährten, die ihm bei den zahlreichen Produktionen jedes Jahr halfen.

Durch ihre zahlreichen Sprünge offenbarten sich ihnen weitere Auswirkungen auf der Erde. Nicht nur, dass das Kraftfeld am Nordpol im Begriff gewesen war komplett zu verschwinden bzw. sich offensichtlich zu verschieben. Es hatte entsprechend auch Veränderungen in den Wettersystemen auf der Welt zur Folge. Natürlich waren schon seit Jahren die Beobachtungen nicht mehr vom Tisch zu reden, dass das Wetter sich durch das rücksichtslose Verhalten der Menschen immer extremer entwickelte. Doch sie begannen aufzuwachsen und an schnell umgesetzten neuen Lösungen zu arbeiten, um einen anderen Kurs für die Zukunft einschlagen zu können. Derzeit beginn das Wetter allerdings in einer neuen Grössenordnung komplett verrückt zu spielen. An heissen Orten wurde es innerhalb des Tages in kürzester Zeit auf einmal eiskalt, weil die Temperaturen stürzten und

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umgekehrt. In trockenen Gebieten bäumten sich rasant grosse schwere dunkle Wolkenformationen auf und brachten übermässige Wolkenbrüche, während in Regengebieten absolute Trockenheit einkehrte unterstützt durch eintretenden starken heissen Wind. Es ging soviel vor sich da unter ihnen. Sie konnten gar nicht alles erfassen, sondern nur ihr Bestreben erhöhen, möglichst schnell ihr Ziel zu finden und das Retten, was Ihnen am Wichtigsten war. Eines der jährlichen Momente der absoluten Glückseligkeit. WEIHNACHTEN. Gerade als der Osterhase dachte, er würde keinen eigenen Sprung mit Rudolph benötigen, bekam er eine äusserst erschreckende Nachricht herein von den Osterinseln. Wie aus dem Nichts waren auch dort nun die Temperaturen auf der Insel bedrohlich schnell am Steigen. Sie gefährdeten damit die zahlreichen Roheier und fertigen farbigen Ostereier. Die Lagerungen befanden sie dicht an der Oberfläche. Damit gab es das Risiko, dass sie schnell schlecht zu wurden. Die nächste Oster Saison wurde ernsthaft gefährdet, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Er bat den Weihnachtsmann auch um einen der nächsten Sprünge runter auf die Osterinseln, um rasch das Wichtigste koordinieren zu gehen. Kurz darauf sprang er bereits mit Rudolph weg. Er war gedanklich aber so durcheinander durch die ganzen aktuellen Ereignisse und in Angst um seine Eier, dass Rudolph den Landepunkt nicht wie geplant auf einer Wiese in der Nähe des Strandes schaffen konnte. Stattdessen landeten sie in Ufernähe plumpsend im Wasser. Beide tauchten kurz unter, kamen aber wieder schnell an die Wasseroberfläche und wateten durch das seichte Wasser zum Strand. Der Osterhase meinte: «Dein Ernst? Bei allen bekommst du den Flug präzise hin und wir gehen Baden? Schon mal einen nassen Osterhasen gesehen? Eines kann ich dir sagen… Wir sind keine Freunde von Wasser» Rudolph grunzte nur einmal kurz beleidigt zurück und folgte dann dem Osterhasen. Gleich darauf begegneten sie ein paar seiner Gehilfen. Er gab ihnen die Anweisung, eilig an ein paar gezielten Orten tiefe neue unterirdische Höhlen auszubuddeln. Dann so schnell wie möglich die Eier an die neuen Lagerorte zu bringen. Es galt unbedingt zu vermeiden, dass daraus Spiegeleier wurden. Sie hoppelten eilig davon und machten sich an die Arbeit, um ihre bisherige Arbeit so rasch wie möglich in Sicherheit bringen zu können. Keine Ahnung wie lange diese überraschend eingetroffene Hitzewelle andauern würde. Noch nicht ganz trocken, sprang der Osterhase mit Rudolph wieder zurück zum Weihnachtsschlitten. Doch auch jetzt funktionierte die Koordination des Sprunges nicht ganz richtig. Anstelle im Schlitten direkt zu landen wie die anderen, tauchte er leicht über dem Schlitten auf und verfehlte den Schlitten um Haaresbreite. Er konnte gerade noch seine Pfoten ausstrecken um sich an den Kufen festzuhalten und langsam hochzuziehen. Er schwang sich dann geschickt in den Schlitten hinein. Jack Frost meinte: «Na Hase? Dachte schon, du versuchst es mal mit einem Base Jump» «Hast du schon einmal einen Osterhasen fliegen sehen? Hasen fliegen nicht. Aber du kannst es gerne mal an meiner Stelle versuchen. Dann aber ohne deinen magischen Stab» «Hast du sie noch alle? Den brauch ich doch um zu navigieren» «Ach, zum Navigieren? Habe ich ganz vergessen haha. Nicht das es dich noch davon weht». Der Weihnachtsschlitten setzte zum Sprung an zum nächsten Kraftort.

Jack Frost

Es war noch keine 24 Stunden her, da war er sich noch sicher, dass es ein ganz normales Weihnachten geben würde. Mittlerweile waren sie in eine der merkwürdigsten Veränderungen auf der Erde verwickelt, die alles von ihnen abforderte. Weihnachten war zum Greifen nah. Gleichzeitig fühlte es sich noch nie zuvor so unsicher an, dass es überhaupt stattfinden konnte und sich die Menschen, wie auch die Wächter des Lichts einer Tatsache gegenüber gestellt sahen, die sie einfach nicht mehr beeinflussen konnten. Es war nicht wie ein simpler Jahreswechsel, der gerade im Begriff war zu passieren. Sondern es gab Veränderungen auf der ganzen Welt. Das Weltbild würde sich für immer und ab sofort verändern. Aufgrund der Intensität würde es die Menschen für den Moment so

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fest ablenken, dass ihnen kaum Zeit blieb überhaupt noch zu realisieren, dass Weihnachten dieses Jahr stattfand. Wenn sie es nicht einfach sogar in der Kettenreaktion der Ereignisse vergassen.  Eines wenn nicht sogar das wichtigste Fest der Menschen. Eine Zeit der Ruhe und Besinnung, die die Menschen durchatmen liess abseits all des alltäglichen Stresses, den sie sich sonst aufgrund ihres Lebens aussetzten. Nun stand alles auf dem Spiel. Doch sie waren der festen Überzeugung, dass sie mithilfe ihrer vereinten Kräften das Undenkbare einmal mehr abwenden konnten. Auch wenn es dieses Mal entschieden eine grössere Tragweite war. Aber an Aufgeben war nicht zu denken, solange noch ein Funken Hoffnung bestand, den Menschen diesen wichtigen Moment im Jahr zu retten und gleichzeitig einmal mehr zu schenken… Plötzlich spürte er von einer Veränderung auf der Welt, die zu neuen Schwierigkeiten führte. Während dem er die Lage in Sibirien einigermassen im Griff hatte und sich die Eisbären von der Siedlung fernhielten, traf es neu das Mittelmeer zwischen Europa und Afrika. Durch einen unvorstellbar markanten Temperatursturz und eisige Winde geschah das Undenkbare und das Mittelmeer war im Begriff zu Gefrieren. Was jetzt nicht unbedingt nach einem akuten Problem klingt, wird dann problematisch, wenn Lebewesen involviert waren. Denn es befanden sich zurzeit noch Dutzende Schiffe darauf unterwegs, die drohten im entstehenden Eis sich festzusetzen und die Passagiere nicht mehr rechtzeitig zu Weihnachten ans Festland zu bringen, geschweige denn in den plötzlichen eisigen Temperaturen zu erfrieren. Er liess sich also kurz in die Gegend runter teleportieren zusammen mit Rudolph, um betroffenen Schiffen zu helfen, in dem er mit seinem Zauberstab nicht mehr Eis produzierte sondern mit einem Schlag seines Stabes auf bestehendes Eis dieses zum Brechen brachte und den Schiffen damit einen Weg frei machte, um ihren Weg zum Festland fortzusetzen. Er sprang zwischen zahlreichen Schiffen hin und her, um ihnen einen Weg frei zu machen. Als er sehen konnte, dass sich die Lage für den Moment wieder etwas beruhigte und sich die aktuelle Lage etwas entschärfte , sprang er mit Rudolph wieder zurück auf den Weihnachtsschlitten.

Der Schwarze Mann

Schon lange lief sein Geschäft nicht mehr so gut wie jetzt… so viele Alpträume machten sich überall breit und es brauchte wesentlich weniger Einsatz von ihm als üblicherweise. Furcht vor Eisbären im warmen Sibirien. Schnee in der Sahara. Die umliegende See von Venedig drohte komplett einzufrieren. Die erwachten Vulkane in Europa waren so aktiv mit ihren Rauchwolken, dass der gesamte Flugverkehr lahmgelegt war und vielen Menschen traurig waren, weil sie zu Weihnachten nicht zu ihren Liebsten konnten. All das liess sein Herz höher schlagen und seine Alpträume ungeahnte Ausmasse annehmen zu seiner vollsten Zufriedenheit. Aufgrund der wachsenden Intensität der Ängste konnte der schwarze Mann ausmachen, dass sein neuer Verbündeter sich wohl am nördlichen Fuss des Alpenkamms in Zentral Europa aufhalten musste. Endlich hatte er ihn lokalisiert und sie konnten ihre Kräfte vereinen bzw. bündeln. Nichts wie los, um dahin aufzubrechen. Er würde ihm tatkräftig zur Seite stehen, damit er nach dem Sieg über die Wächter des Lichts seine eigenen Gebiete fordern konnte und die Finsternis der Alpträume auf der Erde in eine neue Ära des Schreckens zu führen. Was für eine herrlich alptraumhafte Vorstellung.

Der Weihnachtsmann

Seit seiner Rückkehr zum Nordpol war Einiges geschehen. Die erste Analyse der eingesetzten Vorkommnisse und die damit verbundenen spürbaren Veränderungen auf der Welt. Die Zusammenkunft der Wächter des Lichtes. Er nutzte mittlerweile so viele alte sowie neu dazu gewonnene Eigenschaften, dass er gleichzeitig das Gefühl nicht los wurde, dass er selbst für all dies die Ursache war. War er mit seinen guten Absichten vergangenes Jahr einen Schritt zu weit

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gegangen? Er hatte schon wilde Zeiten erlebt, um den Menschen in Not zur Hilfe zu eilen. Alle Geschenke rechtzeitig zu verteilen. Aber gerade jetzt drohte ihnen alles zu entgleiten, wenn sie nicht schnell genug waren. Wetter Systeme weltweit spielten nicht nur verrückt, sondern hatten komplett ihre geografischen Positionen verändert. Was sich nach einem alptraumhaften Tag anhörte, konnte mittel bis langfristig katastrophale Auswirkungen auf ihre bare Existenz haben. Ihr alter Feind der Schwarze Mann sah sich dadurch einer neuen Hochkonjunktur gegenüber und es kostete sie alle erdenklichen Kräfte, um ihn und seine alptraumhafte Gefolgschaft zumindest einigermassen unter Kontrolle zu halten. Und als wäre das noch nicht genug, traf es dadurch jeden einzelnen Wächter noch persönlich. Sie mussten nebst ihrem gemeinsamen Kampf zur Rettung von Weihnachten auch um ihre eigenen Wurzeln kämpfen. Diese drohten durch die Kettenreaktion der Ereignisse sich ebenfalls für immer zu Verändern und ihre Arbeit zum Schutz der Menschheit erheblich zu erschweren. Glücklicherweise konnte der Geist der Weihnacht Rudolph mit Spezialkräften ausstatten, die den Wächtern des Lichts nicht nur erlaubte für die gemeinsame Sache zu Kämpfen, sondern auch für sich selbst. Und in der Stunde, im Angesichts der Verzweiflung, die sie ereilen wollte, verblieb doch immer noch ein Funken Hoffnung, dass sie es noch rechtzeitig schaffen konnten! Letzten Endes war es durchaus denkbar, dass es auf seinen persönlichen Einsatz an kommen würde, um all dies zu beenden bzw. ungeschehen zu machen. Er musste zu allem bereit sein. Im Interesse der Zukunft der Weihnacht und all der Elemente, die die Wächter des Lichts zu dem machten was sie waren. Die reitenden Ritter des Guten der Gegenwart. Ein letzter Sprung brachte sie zu einem ihrer weltweiten Wachttürme. Sie flogen über das Schloss Neuschwanstein und ihr Nachbarschloss durch anhaltendes Schneegestöber auf den dahinter liegenden gefrorenen See hinunter. Als sie näher kamen wunderte er sich nicht, dass auch der Schwarze Mann mit seinen dunklen Armeen von Alpträumen seinen Weg hierher gefunden hatte und sich bereits neben dem Fremden in Stellung gebracht hatte. Es war höchste Zeit Weihnachten einmal mehr zu retten und den Menschen einmal mehr das zu schenken, was sie einmal im Jahr am Dringendsten brauchten. Zeit für Besinnlichkeit und Ruhe, im ansonsten tobenden Sturm des immer schnelleren und hektischeren Alltags, welcher sie komplett aufzufressen drohte.

Das unbekannte Element

Es stand da auf dem tiefgefrorenen See inmitten tiefster Schnee Landschaft. All sein Wirken seit Ankunft auf der Erde hatte Früchte getragen. Der Planet hatte von Anfang an widerstandslos mitgewirkt und es zugelassen, dass eine umgehende Sofort Regeneration eingeleitet wurde. Es dauerte nicht mehr lange bis der Neubeginn einsetzte mit den dazu nötigen Opfern in den Reihen der Lebenden, um die Zukunft zu sichern. An seiner Seite stand der schwarze Mann, um nach Abschluss dieser Phase seine eigenen Bedingungen zu fordern und eine neue Zeit einzuläuten. Er konnte die Aurora Borealis in prächtigem Farbenspiel über der Region aufwachen sehen, während die Sonne sich zunehmend dem Horizont zu bewegte, um schon bald der Dämmerung und des Abends der Heiligen Nacht Platz zu machen. Der Abschluss stand unmittelbar bevor und war zum Greifen nah. Gleichzeitig spürte es allerdings plötzlich eine sich nähernde Kraft. Die Ursache für die Anomalie. Die weltweiten Spuren. Es hatte die Quelle gefunden bzw. sie steuerte direkt auf ihre Position zu. Eine eher ungewohnte Situation. Üblicherweise jagte es flüchtende Elemente, um sie zu korrigieren. Dieses Element hier hatte aber offensichtlich andere Absichten und bevorzugte eine direkte Konfrontation. Alle Hebel auf diesem Planeten waren sowieso schon in Bewegung gesetzt. Wenn nun noch das fehlerhafte Element korrigiert wurde gleichzeitig, dann blickte dieser Planet nur einer noch viel reineren Ära entgegen. Es würde eine längere Phase bis zur nächsten kompletten Regeneration versprechen. Was für ein Glückstag. Das Element, welches die Anomalie ausgelöst hatte näherte sich

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rasend schnell auf fliegender Materie, sieben köpfiger Antriebskraft und in Begleitung vier weiterer irdischer Elemente. Es wurde Zeit die Korrektur zum Abschluss zu bringen. Er hielt sich bereit das fehlerhafte Element in Empfang zu nehmen und für immer in seiner Grundstruktur zu verändern, aus der Geschichte rauszuschreiben und in Sternenstaub zu zerstreuen…

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Akt 2 – Widerstand

Rudolph setzt mit den anderen Rentieren und dem Weihnachtsschlitten auf dem See ab, während der Weihnachtsmann dem unbekannten Fremden bei leichtem Schneefall entgegen lief. Erst wollte er mit ihm ein Gespräch führen. Vielleicht liess sich ein Kampf ja vermeiden. Unmittelbar vor ihm hielt er an wohl merkend, dass auch der Schwarze Mann da war, sich aber vorerst in dessen Rücken überzeugt zurück hielt. «Ich bin Santa, der Weihnachtsmann», begrüsste ihn der Geist der Weihnacht, «und sorge mich hier um das Wohlergehen der Menschheit. Und wer bist du?» Das Gegenüber bewegte sich kaum, machte aber auch keine Anstalten etwas zu erwidern. «Ich glaube, dass du aus einem ganz bestimmten Grund hier bist. All diese Ereignisse, die wir in den letzten 24 Stunden beobachten konnten, haben einen Zusammenhang mit dir, nicht wahr? Weshalb bist du hier?» Sein Gegenüber blieb weiterhin absolut stumm und machte keine Anstalten etwas zu erklären. Es schneite weiterhin leicht weiter. «Wir setzen uns hier seit geraumer Zeit dafür ein, dass alles seinen rechten Weg geht und die Menschen nicht die Hoffnung auf das Positive und Gute im Leben aufgeben. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass du hierher gekommen bist, um etwas zu verändern. Durch das was derzeit auf der Erde los ist und durch den neuen Kraftort, der hier am Entstehen ist. Bist du hier, um etwas zu korrigieren? Und falls ja, was genau stimmt denn nicht mehr?» Der Fremde gegenüber begann sich tatsächlich zu bewegen und hob seine rechte Hand, um mit dem Finger gen Himmel zu zeigen. Santa war irritiert und wollte schon etwas sagen, als der Fremde seine Hand nach vorne wandern liess und mit seinen Fingern auf ihn zeigte. Er war in erster Linie nicht hierher gekommen, um die Welt zu verändern, sondern offenbar, um einen entstandenen Fehler zu korrigieren. Es traf ihn wie ein Schlag. Das spezielle gerettete Menschenleben letztes Jahr! Der Schuss, der den Jungen getötet hätte. Das musste es sein: «Also gut, soweit habe ich verstanden. Ich habe damit zutun. Dann lass mir dir einfach sagen, dass wir die Dinge hier auf der Erde anders lösen. Wenn du nicht sprechen willst, dann lass es uns im Kampf entscheiden. Sollte ich gewinnen, dass müssen die in Gang gesetzten Ereignisse umgehend gestoppt werden. Sollte ich verlieren, ergeben wir uns dem Schicksal.» Sein Gegenüber nickte. Er zückte seine Sebel, um von Angesicht zu Angesicht zu sehen und spüren, wem er da genau im Schneegestöber in Form des dunklen Schemens entgegen sprang. Durch seine Fähigkeiten hatte er festen Boden unter seinen Füssen und rutschte nicht auf dem Eis aus, als der Urheber allen Übels heraneilte und er zum Erstschlag ausholte. Derweil setzte sich nun auch der Schwarze Mann in Bewegung, der schon ganz ungeduldig auf diesen Moment gewartet zu haben schien, um seine Armeen der Finsternis zu entfesseln und auf die Wächter des Lichts loszulassen. Geschickt macht Santa kurz vor dem Aufeinander treffen einen Sprung zur Seite und schlug nacheinander mit seinen Säbeln auf seinen unbekannten Gegner ein, den er nach wie vor noch kaum erkennen konnte. Die anderen Wächter sprangen auch vom Schlitten herunter und verteilten sich über den Boden und über die Luft, um dem Weihnachtsmann im Kampf gegen die unbekannte Gefahr und den schwarzen Mann beizustehen.

Der Weihnachtsmann war derweil verdutzt ab der Wirkung seines Schlages, weil er trotz seiner absoluten Sicherheit getroffen zu haben, das Gefühl hatte, keinerlei Widerstand gespürt zu haben. So als hätte er durch absolutes Nichts geschlagen. Er setzt erneut an und schlug frontal auf seinen Gegner ein, der sich bloss durch gleiche Schattenbewegungen zu verteidigen schien. Aber auch jetzt. Keinerlei sichtbare Wirkung. Hat er es hierbei mit einem Gegner ganz anderer Natur zu tun? Voller Vertrauen steckte er seine Säbel zurück in die Halterungen und ging mit blossen Fäusten zu Werk.

Geschickt drehte sich sein Gegner von seinen Schlägen weg oder duckte sich. Was für ein gerissenes

Kerlchen!

Derweil liefern sich die anderen Wächter des Lichts ein ebenbürtiges Gefecht mit dem schwarzen

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Mann. Er sendete ihnen alle Formen von Alpträumen entgegen, um sie von sich fernzuhalten und

ihren Verbündeten den Weihnachtsmann zu Fall zu bringen. Und so seinen grössten Traum wahr werden zu lassen. In wenigen Stunden würde es erstmals seit denkbarer Zeit keine Weihnachten geben wie wir sie kennen. Frohe Stimmung, farbenfrohe Weihnachtsbäume und Beleuchtungen, Weihnachtslieder, Herzen im Gleichklang schlagend und überall wahrhaftig Liebe zu spüren. Wie er das doch über alle Massen verachtete. Kalt und dunkel. Angst und Einsamkeit. Schreckhaftigkeit und Verzweiflung waren die Elemente, die ihn innerlich frohlockten und ihn zu dem machten, was er war. Der Schrecken der Gläubigen… der Herrscher über die Verängstigten. Zu lange musste er sich zuletzt wieder mit kleinstem über Wasser halten. Seine Zeit stand vor einer neuen Chance…

Der Weihnachtsmann kämpfte wagemutig im Kreis gegen den so schwer zu erkennenden Schemen, der seltsamerweise eine sehr ähnliche Status zu der seinen aufwies. Zudem schien er mehr einfach nur seine Angriffe abzuwehren, anstatt ihn bisher gross anzugreifen. Spielte er auf Zeit? Zeit die sie kaum noch hatten? Plötzlich kam der verirrte Bumerang des Osterhasen geflogen und löste das Geheimnis seines Gegners. Statt an ihm abzuprallen und um 180 Grad zurück zu fliegen, flog er durch ihn durch, als würde er aus blosser Luft bestehen. Jetzt begann es ihm einzuleuchten bzw. woher ihm diese Gefühle zur Ankunft dieses Wesens so vertraut vorgekommen waren. Mit seinen irdisch ausgerichteten Kräften würde er hier nichts erreichen. Er begann umgehend umzudenken und verpasste seinem Gegner eine gute Portion eines Energiestosses, wodurch dieser verwundert kurz zurück fiel. Er hatte wohl damit gerechnet, dass sie dieses Spiel noch so lange weiter spielen würden, bis die Veränderung auf der Welt vollendet war. Und er sich zufrieden zurücklehnen konnte, weil all der Kampf völlig umsonst gewesen war. Sie hätten den entscheidenden Kampf gegen die Zeit verloren. Doch so nah dieser Moment auch zu sein schien. Er würde es ganz sicher nicht so weit kommen lassen. Seit vielen Jahrhunderten mittlerweile hatte er alles in der Macht stehende getan, um den Menschen Hoffnung und Liebe näher zu bringen, wenn sie es am meisten brauchten und Alle Jahre wieder kam dieser Moment wieder. Durch das grosse Bemühen der Wächter des Lichts, die Menschen vor sich selbst zu schützen und ihnen Erinnerungen, wundervolle Momente und vieles mehr zu bescheren. Er begann in die Luft zu schweben, um seinem Gegenüber klar zu machen, wie diese Auseinandersetzung ab jetzt weiter verlaufen würde. Dazu brauchten sie nicht länger auf dem Boden zu bleiben. Sie begannen sich gegenseitig mit Energiestössen zu beschiessen. Sie wurden gleichermassen getroffen, zunehmend zeigte es aber aufgrund ihrer beider raschen Anpassungsfähigkeit aber auch immer geringere Wirkung. Gefolgt von den simplen Energiestössen, wurden es rasch Energie Blitze, die zwischen ihnen hin und her schossen. Während dem sie sich in der Luft über dem tief gefrorenen See in der Nähe des Schlosses Neuschwanstein, im Kreis drehten.

Der Osterhase hoppelte in kräftigen Schritten über das Eis, seinen Bumerang schwingend. Einerseits, um damit die lebendig gewordenen ausschwärmenden Alpträume vom schwarzen Mann aufzuschrecken, mit etwas Glück ihm selbst den einen oder anderen Treffer zu verpassen, abzulenken und auch das unbekannte Wesen vor ihm in der Luft mit weiteren Angriffen zu überraschen.

Jack Frost gleitete durch die Luft und löste eisigen Wind aus, um Schnee von den umliegenden verschneiten Tannenbäumen hoch zu wehen. Er verwandelte sie mit seinem Stab in Wolken aus Eiskristallen, um damit die gegnerischen herumschwärmenden schwarzen Alpträume zu treffen und durchdringen. In der Luft aufzulösen, dem schwarzen Mann ein eisiges Willkommen zu bereiten und

das unbekannte Wesen in eine vereiste Schneewolke zu hüllen, um ihm die Sicht zu rauben.

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Der Sandmann schwebte durch die Luft und liess seine Sand Schwaden die gegnerischen schwarzen

Alpträume umgarnen, um sie in Schlaf zu versetzen. Sie dadurch zerspringen zu lassen, den schwarzen Mann zu ermüden und das unbekannte Wesen durch den herumschwirrenden Sand in der Luft zu verlangsamen.

Die Zahnfee flog Spiral Bahnen und lenkte durch ihr farbenfrohes Kleid in der grau weissen Einöde und ihr anmutiges Erscheinungsbild die gegnerischen schwarzen Alpträume so ab, dass die anderen Wächter sie einfacher treffen und ausschalten konnten. Sie flog immer wieder Kreise um den schwarzen Mann, damit er seine Alpträume unkoordinierter aussenden konnte. Er führte sie in die Irre, weil er die um ihn herum surrende Zahnfee mit seinem Gefuchtel loswerden wollte.

Je länger der Kampf mit dem unbekannten Element und dem Weihnachtsmann dauerte, umso mehr begann er klarere Formen seines Gegenübers zu erkennen. Es war kaum eine Überraschung, dass es kaum eine feste Form gab, sondern offensichtlich um eine Form des Gestaltenwandlers handelte, der von einem Moment zum nächsten zwischen verschiedensten Erscheinungsformen wechselte, um ihn in die Irre zu führen und durch den Einsatz anderer Waffenelemente abzulenken. Ob als sein Ebenbild mit Blitze schiessenden Säbeln, in Form seiner längst vergessenen menschlichen Art mit Händen beschwörend oder als Schwarzer Mann, der elektrisierte Alpträume auf ihn losliess. Dennoch wurde das unbekannte Element immer wieder erfolgreich von seinen Energie Blitzen getroffen. U.a. auch dem Umstand verdankend, dass die anderen Wächter des Lichts keinen Versuch ausliessen, ihn mit ihren Fähigkeiten auch zu treffen oder abzulenken. Obschon, das aufgrund seiner Daseinsform zwar kaum möglich war. Der Fremde brachte also ein neues Element ins Spiel und teleportierte den angreifenden Sandmann weg. Damit wollte er die Stärke der Wächter des Lichts schwächen, um den Kampf zu ihren Gunsten auszulegen. Dem Weihnachtsmann entging es nicht und sendete umgehend Rudolph nach, um ihn zurück zu holen.

Miami Beach. Der überraschte Sandmann stürzte auf eine Kolonne leer stehender Autos, wodurch diese umgehend durch den Magie mix in Sand verwandelt wurden. Erst erschrocken, dann verärgert über den Missbrauch seiner Fähigkeiten schwebte er da zur späten Abendstunde, unschlüssig, wie er es so schnell wieder zurück zu den anderen schaffen sollte. Plötzlich tauchte Rudolph neben ihm auf. Bevor sie zurücksprangen, schnippte der Sandmann mit seinen Fingern, wodurch die stehende Kolonne aus Sandautos an den Strand versetzt wurden und am nächsten Morgen vielleicht als Kunstwerk interpretiert wurden. Ein Augenblinzeln später befanden sie sich wieder im Schneegestöber und Kampfwirrwarr über dem See, als als nächstes der Osterhase verschwand. Der Weihnachtsmann hatte so das Gefühl, dass der Fremde normale Grenzen zu überwinden begann, um die Wächter vom Kampf fern zu halten und es ihm und Rudolph schwieriger zu machen sie wieder her zu bringen. Er gab Rudolph mehr Energie, damit er den Wächtern überall hin folgen konnte. Egal wo sich dieser Ort, jenseits der normalen Vorstellungskraft, in Zeit und Raum, befand…

Der Osterhase

fand sich selbst überraschend wieder in einem kleinen Garten mit schönen farbigen Blumen darin. Sofort erinnerte er sich zurück, als er da vor ca. 3 Jahren Ostereier versteckte. Sofort hoppelte er wieder vorsichtig durch den Garten und versteckte sich zwischen den Pflanzen, um nicht entdeckt zu werden. Er legte ein paar bunte Ostereier gut versteckt ins Gebüsch und wollte sich rückwärts umdrehen, als er sich erschrocken umdrehte und sich selbst in die Augen blickte. Gleichzeitig sagten

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sie sich: «Was machst du denn hier? Aber ich bin doch ich?» Verdutzt wichen sie von einander einen

Meter zurück als ein Kind rufte: «Schau mal Mama, den Osterhasen gibt es doppelt» Die Osterhasen wurden erstmals seit langem wieder ertappt und waren für ein paar Sekunden total ratlos, wie sie aus dieser Klemme wieder rauskamen. Sie blickten sich weiter ratlos an und blieben versteinert stehen. Rudolph sprang herbei und sah die beiden Osterhasen vor sich sehen. Wie konnte er jetzt wissen, welcher der beiden Hasen er zurück nehmen musste? Wie auch immer er sich entscheiden musste, es musste schnell gehen, bevor die Menschen weiter reagieren konnten. Sofort schoss ihm eine Idee durch den Kopf. Er begann sofort ein paar Mal den Kopf zu heben und zu grunzen. Der eine Osterhase blickte ihn nur fragend an. Der andere Osterhase sagte zurück: «Na wenigstens bin ich dieses Mal nicht im Wasser gelandet.» Rudolph wusste sofort, dass er auf ihre kürzliche Landung auf der Osterinsel anspielte. Er konzentrierte sich also sofort auf ihn und verschwand mit ihm wieder in die Zukunft. Die Menschen war verdutzt, ab dem was sich da gerade vor ihren Augen abgespielt hatte. Der 2. Osterhase winkte ihnen einmal kurz zu, klopfte mit seiner rechten kurzen Pfote kurz auf den Boden und hüpfte dann in einen sich öffnenden magischen Tunnel hinein. Er verschwand ebenfalls. Die Mutter des Kindes meinte nur: «Ich glaube ich habe diese Nacht zu wenig geschlafen. Ich träume immer noch. Komm Kind, lass uns die Ostereier suchen gehen.» Kaum war der Osterhase wieder im wirren Gefecht auf dem See gelandet, zielte der Fremde auf Jack Frost und liess ihn verschwinden…

Jack Frost

fand sich inmitten einer Wüste wieder. Weit und breit kein Ende in sich. Auch das noch… Es fehlte ihm an jeglicher Orientierung. Es gab nur einen Weg raus… er musste loslaufen und einen finden, während die Sonne hoch am Firmament auf ihn hinunter brannte. Eine Hitze, die er nur schwer ertragen konnte. Schritt für Schritt lief er durch eine Landschaft voller Sanddünen links und rechts und kam nur schwer voran, weil er immer wieder im Sand einsank. Definitiv viel unangenehmer als Schnee und Eis… aber er würde das sicherlich irgendwie schaffen. Plötzlich tauchten vor ihm am Horizont viele dunkle Schemen auf. Der Boden flimmerte. Eine Halluzination? Nannte man das nicht eine Fata Morgana? Doch es war keine Illusion, denn schnell wurde ihm klar, dass da eine grössere Gruppe von Reitern dick eingepackt in helle Tücher in eiligem Tempo auf ihn zugeritten kamen. Auch das noch. Er machte ein paar weitere Schritte vorwärts, um seine Lage abzuschätzen, als er merkte, dass er plötzlich durch seine Bewegungen in den Sand zu versinken begann. Erschrocken machte er ein paar weitere Schritte und sank augenblicklich bis zur Hüfte ab. Glücklicherweise hatte er seinen Stock noch rechtzeitig nach oben gestreckt und hielt ihn nun mit beiden Händen über seinem Kopf. Er bewegte sich nicht mehr und merkte, dass er nur auf diese Art und Weise nicht weiter versinken würde. Denn er war in Treibsand geraten. Zu allem bereit stand er da still und wartete ab, was er mit den Reitern anstellen würde. Plötzlich erschien Rudolph vor ihm und erkannte Jack’s warnende Blicke. Jack streckte ihm seinen Stab entgegen und Rudolph konnte ihn ganz knapp mit seinen Zähnen greifen. Er bewegte leicht seinen Kopf nickend nach oben, um Jack zu deuten, dass er keinen Schritt näher kommen würde, sondern sich Jack gut am Stock festhalten sollte. Ganz langsam und behutsam machte er einen rutschigen Schritt an Schritt zurück im Sand und zog Jack aus dieser Sandfalle heraus. Es dauerte nicht lange, bis beide im normalen Sand standen und gerade bevor die Reiter ihre Position erreichten, konnten sie wegspringen. Die grosse Reiterkaravane hielt erschrocken an und prüfte den Ort, an dem erst noch ein seltsamer Hirte mit seinem Stab und einem sehr seltsamen Esel mit Gehörn gestanden hatte. Der Anführer meinte: «Eine so lebendige Fata Morgana habe ich auch noch nicht gesehen. Aber diese göttliche Erscheinung war wohl ein Zeichen dafür, dass

wir mit dem Verkauf der gestohlenen Schätze zu grossem Reichtum kommen werden. Ein Orakel! Ali

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Baba hat uns schon eine Höhle gefunden. Holt ihn mir nach vorne. Ich wünsche mir, dass er uns eine neue Richtung weist, auf das wir auf unserer Reise noch mehr verborgene Orte plündern können, bevor wir die gefundenen Schätze in der nächsten grösseren Siedlung verkaufen können.» Der Anführer blickte gen Horizont und seine Gier nach Reichtum wuchs weiter. Wenn ihm das nur nicht eines Tages so in den Kopf steigen würde, dass der Preis dafür sein Leben sein würde…

Zurück auf dem gefrorenen See schüttelte Jack Frost und Rudolph den Sand von sich ab. Jack stürzte sich gleich wieder in den Kampf gegen den Schwarzen Mann, als der Fremde die herumfliegende Zahnfee wegschnippte.

Die Zahnfee

fand sich von einem Moment zum nächsten plötzlich in einem kleinen hölzernen Käfig gefangen wieder, der von der Decke einer hölzernen Schiffskabine herunter hing. Sie musste ihre Intuition nutzen, um hier wieder schnell rauszukommen. Die Kinder brauchten sie, als Hüterin ihrer Zähne und damit verbunden Beschützerin ihrer wertvollsten Erinnerungen. Sie verliessen sich auf sie. Sie durfte sie nicht im Stich lassen, egal in welche Situation sie geriet…

Da bemerkte sie erst den stämmigen Kerl in rotem Mantel und mit rotem Piratenhut, der vor ihr stand. Captain Hook hatte ein breites Grinsen auf seinem Gesicht und seinem markanten Schnurrbart: «Haha Glöckchen. Dieses Mal hab ich dich am Haken und dein beflügelter Freund wird dich nicht retten kommen» Er wurde von hinten gestupst. Peter Pan schwebte verspielt mit verschrenkten Armen hinter ihm: «Na Hinkebein. Du denkst doch wohl im Traum nicht daran, dass du dich einfach so über meine geliebte Elfe her machen kannst, oder? Die verlorenen Kinder und ich werden dir schon einmal mehr wieder zeigen, dass du hier nichts verloren hast.» «Peter Pan. Wie könnte ich dich vergessen. Der Stoff aus dem die Träume sind. Ich hasse es! Dieses Duett werden wir wohl noch lange Spielen, was Peter? « «Bis in alle Ewigkeiten, Hook. Ich werde nie erwachsen» Er schwirrte ein zweimal um Captain Hooks Kopf herum, der prompt nach ihm schlagen wollte und ihn verfehlte, um Richtung Decktür zu stolpern. Peter verpasste ihm einen weiteren Stupser, worauf er durch die Tür auf Deck stolperte und sofort wieder vom Rausch des Kampfes ergriffen wurde. Er hielt seine Hakenhand hoch: «Na wartet nur ihr kleinen Rabauken. Nicht so mit Captain HOOK!»

Peter Pan kam zur Zahnfee: «Sorg dich nicht. Ich hole dich da raus» «Peter Pan. Du bist es. Du bist es wirklich» Er öffnet das kleine Türchen, um sie zu befreien.

Rudolph sprang herbei, um die Zahnfee zurückzubringen. Kurz vor dem Sprung liess er seine Nase kurz rot aufleuchten, damit Peter Pan hinsieht und sich darauf konzentriert. Dann waren sie weg. Peter meinte nur: Oh, ich wurde geblitzdingst, die Zahnfee und ein Rentier auf Captain Hooks Schiff. Was für ein Tagtraum. Muss wohl eine Ladung zu viel Feenstaub erwischt haben. Ich liebe Träume» Eiversüchtig klang es aus einer anderen Ecke: «Und ich dachte, du liebst nur mich Peter» Er wandte sich umgehend seiner liebsten Elfe Glöckchen zu: «Ah da bist du, ich habe dich gar nicht gesehen» «Na kein Wunder, wenn du nur Augen für diese billige farbige Erscheinung hast» «Aber Glöckchen, es gibt für mich doch nur dich» Er befreite auch sie, und kehrte dann mit ihr in den Kampf auf Deck zurück.

Rudolph

Das Rentier hatte so viele Hände damit zu tun, hin und her zu springen…. In einen Moment der Ruhe im Getose des Kampfes, dachte er an ganz viele Rentiere und war so vertieft für einen Augenblick, dass er sich versehentlich weg teleportierte. Er fand sich wieder auf einer riesigen grünen Wiese, umgeben unterschiedlichster Waldformationen…. Zu seinem Erstaunen inmitten einer grossen Herde von Rentieren. Verdutzt blickte er um sich und konnte unweit von seiner Position ein riesiges weisses

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stehendes Kreuz auf einem kleinen Hügel stehen sehen. Wo war er hier bloss gelandet? Sowas in der

Art dachte sich auch ein anderer Vierbeiner, dessen Interesse er durch sein plötzliches Erscheinen geweckt hate. Ein in der Nähe stehender älterer Jack Russel Jagdhund trabt neugierig auf Rudolph zu Er wendet sich, unerfreut ab solch einer Begegnung, sofort von ihm ab, um gleich wieder weg zu springen. Der Hund war aber zu schnell, trotz des Rufen seines Herrchens: «Fitzgeralt, wirst du das wohl sein lassen» Er berührt Rudolph mit seiner kalten nassen Nase. Rudolph war wieder zurück auf dem vereisten See und musste sich vor dem vorbei huschenden Sandmann ducken. Währenddessen Fitzgeralt auf allen Vieren zu Liegen kam und durch eine Dosis Schlafsand vom Sandmann augenblicklich weg döste. Rudolph blickte zurück und riss erstaunt seine Augen auf. Er erkannte sofort die prekäre Lage. Er berührte ihn mit seiner feuchten Nase, um ihn kurz im Phoenix Park in Dublin wieder abzusetzen und schnell wieder weg zu blitzen. Fitzgeralt blieb auf jeden Fall dösend im grünen Gras der Wiese liegen. Das verwirrte Herrchen musste ein paar Mal blinzeln, weil er nicht glaubte, was er da gerade gesehen hatte. «Fitzgeralt, aufstehen. Ein Jagdhund, der vor den Augen von frei laufendem Wild einschläft… Das hat mir gerade noch gefehlt» in Gedanken ist er sich sicher, dass er heute mit Sicherheit kein Guinness mehr trinken wird. Denn diese Geschichte behielt er lieber für sich. Fitzgeralt war nicht wach zu kriegen und sein Herrchen musste ihn an der dastehenden kleinen Herde von Rentieren vorbei tragen zurück zum Auto. Derweil hatten zwei neugierige Augen im Schutze der naheliegenden Bäume des Waldgebietes lautlos das Geschehen mit dem Erscheinen des sonderbaren Rentieres sehr aufmerksam verfolgt. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das Wesen drehte sich um und blickte in seine Augen, welche tief in jede Seele blicken konnten. Sein Horn glitzerte auf seiner Stirn kurz auf und es nickte zustimmend. Es bewegte sich am anmutig weissen Vierbeiner vorbei, welchen man von Weitem als ein Pferd deuten konnte und gleich darauf waren sie beide spurlos zwischen den Bäumen verschwunden.

Zwei gleich starke Elemente kämpften weiter in einem schier endlosen Kampf, der sich im Kreis drehte. Immer stärkere Energien wurden frei gesetzt und durch ihre Nähe zu einander wuchsen auch Ihre Kräfte fortlaufend. Das Gebiet um Neuschwanstein glaubte aufgrund des starken kalten eingetroffenen Winters, Eissturmes und starkem Getöse mit Blitz und Donner, sich dem stärksten Unwetter seit jeher gegenüber zu stehen und das am Abend vor Weihnachten. Eine derart starken Blitzaktivität am Fusse der Alpen hatten sie noch nie erlebt. Während sich der Weihnachtsmann und sein Gegner ein endloses stärker werdendes Kräftemessen lieferten, wurde Santa auf einmal etwas glas klar. Als hätte er diesen Moment schon einmal erlebt und würde ihn wieder erleben. Immer und immer wieder. Auf ewig. Nach und nach begann er zu begreifen, dass sie im Kampf auf diese Art und Weise in einer Art Zeit Schleife gefangen waren und er unbedingt etwas ändern musste, damit es nicht wieder gleich enden würde. Ohne die Rettung von Weihnachten. Gefangen in diesem Moment, für immer und ewig. Er beschloss also sein Kampfverhalten so ändern, um sie beide dadurch möglicherweise aus der Zeitschleife befreien zu können. Er begann damit sich ab sofort immer wieder bewusst zurück fallen zu lassen, um gedanklich betrachtet, auf seine Knie zu fallen und wieder aufstehen zu müssen. Den Kampf von Moment zu Moment aus einer anderen Perspektive zu betrachten und Stück für Stück etwas zu Lernen. Ganz im Sinne der Lebensweisheit: Wir müssen fallen, um zu Lernen wieder aufzustehen. Etwas, das er bis dato nie kennengelernt hatte. Nun war es aber auch für ihn an der Zeit diese Erfahrung zu machen. Die Entscheidung zeigte Wirkung. Diese Art von Visionen begannen während ihres andauernden Energiegefechtes zu verschwinden und machten stattdessen Platz für andere Visionen, die Zeit und Raum zu verschmelzen begannen: Er sah sich selbst noch als Mensch. Wie ihn vor sehr langer Zeit ein Artefakt veränderte. Er irrte umher auf der Erde nach einem tieferen Sinn für seine Zukunft. Dann tauchte das Artefakt auf in einer Höhle mit Ali

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Baba, wo er versehentlich landete. Er konnte spüren und sehen, wie es wieder seinen Eigentümer wechselte. Dann traf er auf einen ehrenvollen bärtigen Mann in einer tief verschneiten Landschaft und nahm von diesem Moment dessen Gestalt an. Seine Erscheinung als Weihnachtsmann war geboren. Menschen beschenken und Menschen retten. Die Wächter des Lichts schliessen sich zusammen und nach zahlreichen Abenteuern finden sie sich in einem Kampf nahe des Schlosses Neuschwanstein auf einem gefrorenen See wieder. Ein Kunstsammler erwirbt das Artefakt wieder und verfolgt damit seine eigene Agenda. Düstere Gedanken begleiten dieses Bild…

Während seine Kraft und Energie fast grenzenlos weiter stieg, begann er auch Auswirkungen auf Menschen weltweit zu haben. Er wurde von negativen Situationen weltweit angezogen, wo er durch seine Fähigkeiten vermochte Menschen durch eigene Visionen die Augen zu öffnen….

Das Schreien

eines Vater, welcher ohne Ende sein Kind anschreit, weil es ihn zu lange genervt hat und er komplett seine Beherrschung verlor. Sein Kind zuckt erschrocken zurück, als er es mit beiden Händen kräftig festhielt und bereit dazu war es kräftig in seiner aufbrausenden Art und Wut zu schütteln. Plötzlich wurde er von Gedanken getroffen, die ihm im Schnelldurchlauf die Zukunft des Kindes zeigten. Wenn er so weiter machte und seine cholerischen Ausraster nicht in den Griff bekam und gar anfing sein Kind zu schlagen. Viel Leid war damit verbunden für sein Kind. Es würde sich erst nirgendwo anschliessen können und später selber Jagd auf andere Kinder machen, um sie immer wieder zu plagen. Er würde immer mehr Ärger haben in seinem Leben und es sehr schwer bekommen in der Arbeitswelt und überhaupt sein Leben in den Griff zu bekommen. Immer nur einen Schritt davon entfernt auf die richtig schiefe Bahn zu geraten. Der Vater schreckte erschrocken zurück und realisierte, dass er komplett auf dem falschen Weg war. Er nahm sein schluchzendes Kind in den Arm und versprach ihm sich zu bessern, während ihm eine Träne aus den Augen kullerte. Es gab vernünftigere Wege, um mit trotzenden Kindern umzugehen. Er hatte es nun eingesehen.

Das Lodern

von verherrendem Buschfeuer in Australien. Viele Koalas verloren ihren Lebensraum. Ein Feuerwehrmann hatte gerade noch einen verängstigten Koala vor den Flammen gerettet. Doch er bekam die Info, dass die letzte sichere Fahrt mit Tieren aus dem Flammenherd vorbei war. Die Letzten mussten zu Fuss zurück laufen und er das Tier hier zurück lassen. Er berührte es kurz mit Tränen in den Augen, als er blitzartig eine Reihe von Visionen erhielt, was passierte, wenn er den Koala zurückliess… Das wehrlose Tier sah sich einer grauenvoll übermächtigen Naturgewalt ausgesetzt, mit dem es nicht wusste, wie es damit umgehen sollte. Umzingelt überall von Hitze und schmerzhaften Flammen. Kaum fand es Wege durch diese es alles umschliessende Feuerbrunst. Die Gefahr kam unaufhaltsam näher, bis es schliesslich eingekesselt war und laut quieckte, weil es kein Entkommen mehr gab und es dieses Moment nicht überleben würde. Ein schreckliches Schicksal. Es öffnete dem Feuerwehrmann die Augen für einen mutigen Entschluss. Er würde den Koala mit sich zu Fuss nach draussen nehmen aus dieser alles zerstörenden Feuerhölle, um ihn vor seinem sicheren Tod zu bewahren. Ein Mensch alleine kann nicht die Welt verändern. Aber er kann etwas bewirken und ein Zeichen setzen. Dass jederzeit eine gute Tat möglich war, wenn man den Mut dafür besass.

Durch die Victoria Falls Wasserfälle

floss kaum noch Wasser. Er hielt sich am Geländer fest und blickte in die vor ihm liegende Schlucht hinunter. Der Mann neben ihm sagte: «Was ist bloss los?» «Tja, wir haben eine der schlimmsten Dürren dieses Jahr.» «Normalerweise stürzen sich hier so viele Wassermassen hinunter und geben so

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einen atemberaubenden Anblick. Und nun blicken wir in eine fast karge Steinlandschaft» «Ja so ist es. Nun ist kaum noch Wasser zu sehen da unten. Bleibt nur zu hoffen, dass wir nie erleben müssen, dass er ganz austrocknet! Eine Perle der Natur würde verschwinden» Plötzlich plagten ihn Visionen über das Leben im Wasser. Durch die anhaltende Trockenheit würde das Wasser weiter zurück gehen und zur Todesfalle verschiedenster Fische werden. In austrocknenden Wasserpfützen würden sie verenden bis hin zur Konsequenz, dass dadurch das abstehende Wasser immer schlechter würde mit unvorhersehbaren Kettenreaktionen für die Natur und die Menschen «Wir müssen umgehend einen Trupp zusammen stellen lassen und darunter gehen, um noch nach Leben im Wasser zu suchen und es zu retten. Es ist unsere Pflicht es zumindest zu versuchen.» Sie brachen umgehend auf.

In einem tosenden Sturm

kämpften die beiden Elemente in einem elektrisierenden Höhepunkt, der durch seine Intensität selbst so tief in den Geist der Weihnacht hinein spiegelte, dass er einen tief vergrabenen und verstorben geglaubten kleinen menschlichen Kern wieder weckte. Der Hohe Priester, der seine Seele aufgrund seiner Machtgier verlor. Seine überhebliche raue Natur kehrte zurück und begann ihn zu übermannen. Sie liess ihn seine Vernunft vergessen, zumal schon damals der Hohe Priester genau nach solchen Kräften gestrebt hatte. Nur noch gierig darauf bedacht noch stärker zu werden wurde ihr Schlagabtausch immer stärker und für den Sieg einer der beiden waren sie immer mehr bereit einen unmoralischen Preis zu zahlen, der mit einer wachsenden Zahl an unschuldigen Opfern einher gehen würde. Durch diese frei gesetzten Kräfte wurden den anderen Wächtern des Lichts im Kampf Visionen offenbart, ausgelöst von den wachsenden Fähigkeiten des Weihnachtsmannes.

Sandmann

Die Welt hatte sich für immer verändert. Seine Heimat die Wüste nur noch begraben im meterhohen Schnee und sein Traumsand hatte einen Grossteil seiner Magie eingebüsst. Er konnte die Kinder nicht mehr zum Einschlafen bringen und es bestand die Gefahr, dass sie wichtige Tage wie Weihnachten komplett verschliefen. Er schwebte in einem Schlafzimmer über einem Mädchen, dem er zum erholenden Schlaf verhelfen wollte, weil sie sich nur unruhig hin und her im Bett herumwälzte. Geplagt von unbekannten Gedanken. Er streuselte immer wieder seinen Traumsand auf sie herunter, aber das einzige was er damit erreichte war, dass sie immer wieder niesen musste. Er konnte sie nicht mehr beruhigen. Mit verdutztem Gesicht sah er ein, dass er wohl tatsächlich mittlerweile seine Fähigkeiten verloren hatte, weil in der neuen Welt bei den Menschen kein Platz mehr war für einen Glauben an Wesen wie ihn. Wozu war er dann überhaupt noch da? Rudolph durchbrach die magische Vision und erschien im Zimmer des Kindes neben einem verzweifelten Sandmann. Und obwohl sich der Sandmann wild gestikulierend wehrte das Bett des Kindes zu verlassen, konnte er ihn zurück holen in die Gegenwart im Eissturm über dem See.

Osterhase

Befand sich in einem Einkaufszentrum. Unfähig sich zu rühren. Alle Menschen liefen an ihm vorbei, obwohl er ihnen eine Freude machen wollte. Sie verhielten sich so, als wäre er gar nicht da. Viele davon waren auch starr konzentriert auf ihre Smartphones und nahmen ihre Umgebung gar nicht mehr wahr. Was war bloss mit den Menschen los. Sie überliessen die Kontrolle über ihr Leben einem kleinen elektronischen Apparat? Ernsthaft? Hatten sie sich so einfach verführen lassen und vergessen, dass es noch ein anderes Leben gab? Es gab wohl tatsächlich mittlerweile noch andere Bedrohungen, die der Mensch erst noch schmerzlich begreifen musste. Plötzlich liess jemand den

Kommentar fallen «Es ist Weihnachten und sie wollen uns Osterhasen schon jetzt verkaufen. Kein

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Wunder, dass niemand mehr an ihn glaubt» Verzweifelt versuchte er zu winken. Ohne Erfolg. Ich bin doch hier, sagt er sich. Noch gibt es mich immer noch. Lauft nicht weg. Nur wegen der haltlosen Gier des Menschen, dürft ihr nicht einfach den Glauben an mich verlieren.

Plötzlich wechselte die Szenerie und er stand vor einer leeren Produktion. Die Ostereier waren ausgegangen. Den Hühnern war es zu heiss wegen der veränderten Temperaturen durch die Klimaerwärmung, sie hatten keine Eier mehr gelegt. Dieses Jahr würde es also keine Ostereier geben. Oh nein! Das gab es noch nie! Der Osterhase musste sich vor Entsetzen hinknien und atmete schwer, als Rudolph die magische Vision durchbrach, herbeisprang und er zu ihm sagte: «Rudolph, das ist alles nicht wahr, oder? Man hat den Glauben an mich nicht verloren, oder? Und hier, keine Ostereier mehr…. Das muss eine Illusion sein. Bitte sage mir, dass ich recht habe!» Rudolph nickte beruhigend mit seinem Kopf. Durch ihren gemeinsamen Sprung in die Realität, kehrten sie zurück in die Wirren und das ausgebrochene Chaos über dem See. Der Ort, der die letzte Hoffnung für Weihnachten am nächsten Tag war.

Jack Frost

Sah meterhohe Wellen vor sich, die ungehindert durch die Strassen des Ortes seiner aktuellen Heimat in Sibirien brachen. Er stand bis zur Hüfte im Wasser. Kein Eis oder Schnee mehr. Die Eisbären verschwunden. Die Siedlung verlassen. Der steigende Meeresspiegel hat die Küstenregion überflutet. Es ist zu warm. Er konnte hier nichts mehr tun. Der Winter würde hier nicht mehr zurück kehren und die Menschen hatten ihr geliebtes zuhause für immer verlassen müssen. Keine Schneeballschlachten, Schlittschuhlaufen oder Eisbaden mehr. Er konnte hier keine Magie mehr wirken lassen. Es brauchte ihn nicht mehr. Der Zauber war vorbei. Er war nur noch eine Erinnerung und würde mir der Zeit verblassen, wie vieles andere auch. Durch ein Fenster eines Hauses konnte er ein Bild einer Familie im Schnee erkennen. Traurig, dass diese Zeiten nun vorbei waren… Rudolph durchdrang die magische Vision, sprang herbei und platschte neben ihm ins Wasser: «Ach du bist es Rudolph. Wir sind zu spät. Dieses Mal haben wir es nicht mehr geschafft.» Rudolph grunzte und gab ihm ein paar Schubser mit seinem Geweih. «Ach, das ist alles nur eine Illusion. Wir haben noch nicht verloren? Dann lass uns sofort zurückkehren», sagte Jack Frost mit wieder erwachtem Kampfgeist. Sie sprangen zurück in die Realität am Ufer des verschneiten Sees. Erst watete Jack noch durch hüfthohes Wasser… nun durch hüfthohen Schnee. Er sah die wirbelten Gestalten vor sich am Boden und in der Luft über dem See. Er hob ab, um den anderen Wächtern des Lichts wieder zur Hilfe zu eilen…

Zahnfee

Blickte einer äusserst unerfreulichen Entwicklung entgegen. Sie hatte von ihren Gehilfinnen schon davon gehört, dass die Kinder einem neuen Trend folgten, der ihre Arbeit drohte überflüssig zu machen. Immer mehr Kinder putzten ihre Milchzähne nicht mehr richtig. Als Folge dessen hatten die Zähne, die sie unter die Kissen legten immer mehr Löcher. Und Löcher bedeuteten, dass keine Erinnerungen mehr darin gespeichert wurden. Sie besuchte selbst ein Kind, dass gerade einen Zahn verstaut hatte, um auf die Münze der Zahnfee zu warten. Bei Eintreffen im Kinderzimmer musste sie mit traurigem Gefühl feststellen, dass die Gerüchte wahr waren. Der versteckte Zahn war seelenlos und es brachte ihr nichts diesen mitzunehmen. Umso mehr die Kinder ihre Erinnerungen verblassen liessen, umso schneller konnte man sich auch nicht mehr an die Zahnfee erinnern und es würde nichts mehr Wertvolles geben, das es zu hüten gab. Ungläubig hörte sie auf mit ihren Flügeln zu schlagen und schwebte auf den Boden des Kinderzimmers hinunter. Nachdenklich blickte sie auf das vor ihr liegende Kind herunter und fragte sich, was nur aktuell los war, dass die Kinder damit begonnen hatten sich so zu verhalten. Verblassende Erinnerungen. Warum war sie dann überhaupt

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noch hier, wenn ihre Magie keine Rolle mehr spielte. Rudolph durchbrach die Vision und landete

neben ihr auf dem Boden. Aufgeschrocken wich sie von ihm zurück, da die Auswirkungen der Vision auch Teile ihres Gedächtnis schon gelöscht hatte. «Wer bist du und was willst du hier? Lass mich in Ruhe», sagte sie verängstigt zum vor ihr stehenden Rentier. Rudolph kam nur ein einziger Weg in den Sinn, um ihr Gedächtnis aufzufrischen. Durch Unterstützung des Geistes der Weihnacht wurde der Raum weiter abgedunkelt und Rudolphs einzigartige rote Nase begann immer stärker rot zu Leuchten. Jedermann auf der Welt wusste, dass nur ein einziges Rentier auf der Welt existierte, welches über diese Fähigkeit verfügte. Der Verstand der Zahnfee begann sich zu lichten: «Warte mal… du kommst mir doch irgendwie bekannt vor. Bist du es Rudolph?» Das Rentier nickte mit seinem Kopf. Sie sprangen gemeinsam in die Realität zurück über dem tief verschneiten See. Die Zahnfee nahm augenblicklich wieder den Schwarzen Mann ins Visier, um ihn mit ihren Fähigkeiten abzulenken und zu seinem persönlichen Alptraum zu werden. Quit pro Pro. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein…

ENDKAMPF

In ihrem endlosen Kampf zur Rettung von Weihnachten, des Planeten sowie auch den Regeln des Universums selbst, setzen die beiden Elemente zu einem entscheidenden Blitzschlag Energie Austausch an und schossen gleichzeitig eine richtig kräftige Ladung ab. Es musste jetzt enden. Hier und jetzt. Alles oder nichts. Keiner der beiden war bereit dazu aufzugeben und sein Ziel zu verfehlen. Beide aus nachvollziehbaren Beweggründen und in gutem Sinne. Umgeben von einer winterlich stürmischen Stimmung, die die Bewohner der nahe liegenden Ortschaften den Heiligen Abend nicht geniessen lassen konnten. In Anbetracht dieses komplett verrückt gewordenen Wintersturms über ihren Köpfen zu dieser Zeit. Der Blitzschlag Austausch der beiden Elemente war so heftig, dass bei Aufprall in der Mitte zwischen Ihnen kräftige Ladungen in verschiedene Richtungen in den Himmel schossen. Es wurden kleine Lücken in die dichten Schneewolken gerissen. Aus einer, tiefer gen Horizont gelegen, drang augenblicklich zufällig ein paar Sonnenstrahlen zu ihnen durch und beleuchteten sie. Sie befanden sich in einer grossen Schneeverwehung. Durch die Kombination aus Energieblitzen, Schneeverwehung und Sonnenstrahlen entstand in ihrer Mitte eine Wolke aus vielfältigsten Regenbogenfarben, in der es kräftig glitzerte und die Zeit schien für einen Moment zum Stillstand zu kommen. Die Farben veränderten sich und wir befanden uns an einem komplett anderen Schauplatz in einem farbigen Nebel im Weltraum. Umgeben von zahlreichen Planeten und Sternen. Je weiter wir noch hinaus gehen, umso grösser werden diese Wolken, die in ihren grössten Formen umgeben sind von unzähligen Galaxien. Eine Grösse jenseits unserer Vorstellungskraft. Inmitten einer dieser gigantischen Sternenhaufens, liegt die Heimat der Menschen, die Milchstrasse. Und darin existieren ebenso farbige Nebel. In der Nähe leuchtete ein Fixstern ganz hell. Der Polarstern. Er setzte sich langsam in Bewegung, während sein ganzes Umfeld zum Stillstand kam. Er flog mit grosser Geschwindigkeit zur Erde und verlangsamte davor wieder. Er veränderte seine Form, wurde wesentlich kleiner und flog durch die Atmosphäre des Planeten hinunter in ein Wintersturm System, das direkt am nördlichen Fuss einer Bergenkette tobte. Über einer Region mit 2 Schlössern und einem See. Auf diesem See standen sich zahlreiche Figuren in einem Kampf zur Rettung eines wichtigen Schatzes gegenüber. Und inmitten davon 2 Energiewesen. Sie waren so fest in ihrem Glauben bemüht, ihre eigene Wahrnehmung der Realität zu schützen und zu retten. Das besinnliche bevorstehende Weihnachtsfest für die Menschen und nichts Geringeres als die Ordnung im Universum selbst. Egal welch hohen Einsatz es sie beide kosten würde…

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Schwerelos standen sie sich in der Luft in Kampfstellung gegenüber. Jegliche Bewegung war beinahe zum absoluten Stillstand gekommen und ihre ausgestreckten blitzenden Finger trieben auf einander zu in einer verlangsamten Geschwindigkeit, dass sie vermutlich nie ankommen würden. Die Zeit nahm sich ihrer an. Sie legte ihre äussere Erscheinung als Polarstern ab und schwebte langsam in das stillstehende Geschehen hinunter. Dabei verwandelte sie sich mehrfach, um die passende Erscheinung für sich zu finden. Erst als anmutiger grosser blauer Drache mit breiten Schwingen. Dann als eine grosse braune Eule, die mit ihren weit ausgestreckten Federn durch das herrschende Blitzgewitter hinunter glitt. Schliesslich in einer weiblich menschlichen Form nach unten zwischen die beiden Energiewesen. Ihr Anblick erinnerte an ein Gemälde aus einer vergangenen Epoche der Menschheit. Unmittelbar bevor die Zeit bei Ihnen angekommen war, beschleunigten auf einmal die Gezeiten um sie herum und sie wurden in einer schnellen Abfolge abwechselnd tosendem Wind, starkem Regen, Schneefall und Sonnenschein ausgesetzt. Eingefroren und festgefahren in einer verschneiten Szenerie stoppte die Zeit. Dann begann die Zeit zu sprechen:

Hallo ihr beiden. Geist der Weihnacht. Schickes Kostüm. Braucht es das heute, damit die Menschen an das Gute glauben? Faszinierend. Hallo *Sternchen*. Du solltest wieder mal ein Bad im Sternenstaub nehmen, dein Glanz lässt etwas nach. Verrückt, wie sich alles wandelt, nicht wahr? Kaum spüren wir Veränderungen kommen, habe wir sofort Angst, dass wir nicht mehr hinein passen oder das wir es verhindern müssen. Aber Veränderungen gehören zur Existenz dazu. Über alle diese verschiedenen Epochen der Daseinsform habe ich schon so Vieles gesehen. Da würdet ihr mir nicht glauben. Aber das gehört zu den Daseinsformen dazu. Alles verändert sich. Nichts bleibt gleich, nur so kann es weiter gehen. Wenn es sich entwickelt. Das ist der einzige Grund, warum wir alle da sind. Aber erkläre das mal den Ameisen, nicht wahr? Sie würde es nicht verstehen. Arme Dinger, so eifrig in ihrer eigenen kleinen Welt. Und so effizient. Sie sind zu den grössten Errungenschaften befähigt. Und trotzdem ist ihre Weltanschauung so begrenzt. Aber so soll es eben manchmal einfach sein. Sinn und Zweck. Weil wir einen Zweck in einem höheren Ganzen erfüllen. Und dieses höhere Ganze ist unvorstellbar gross. Im Universum dehnt sich alles aus und immer wieder stösst ein weiteres Wesen wie ich dazu. Neue Regionen benötigen neue Beobachter. Aus Chaos entsteht Ordnung in so vielfältiger Hinsicht. Selbst ich kenne nur einen Bruchteil des Ganzen. Aber wer kennt denn schon das Ganze… Würdigen wir den Moment. Erinnern uns an gestern und warten gespannt auf Morgen. Mal geht es schneller, mal langsamer. Alles nur eine Frage des Gefühls und wieviel Beachtung wir einem einzelnen Moment schenken.

Wisst ihr, ich beobachte Sterne schon seit sehr langem von meinem Platz im Universum. Wie sie erscheinen und wieder verschwinden. Und hin und wieder zieht ein farbiger Nebel vorbei, vollgepackt mit Mini Galaxien. Für die Menschen muss das so aussehen, als ob diese Nebelfelder im All still stehen. Ich sehe das mit anderen Augen, weil ich alles auf ganz andere Art und Weise wahrnehme. Und in einer ganz anderen Geschwindigkeit.

Ach ja, die Sache mit den Menschen…

Wir alle sind Teil eines Systems. Und so nobel es auch ist, wenn wir uns dafür einsetzen Menschenleben zu retten oder für den Planeten zu kämpfen, wir müssen dabei immer etwas Wesentliches berücksichtigen… Was Menschen anbelangt hat alles seinen Sinn und Zweck und seine Grenzen. Der Tod hat seine Berechtigung wie das Leben selbst. Tricksen wir in guten Glauben den Einen aus, kann er sich betrogen fühlen. Mit unvorhersehbaren Konsequenzen. Im aktuellen Fall hat ein höheres Gesetz gewirkt, aber es hätte auch anders kommen können. Merke dir bei deinen Taten,

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Geist der Weihnacht, also stets, dass wir nicht über die gesetzten Grenzen hinweg gehen dürfen.

Auch wir müssen uns an Regeln halten, auch wenn wir zu mehr in der Lage sind.

Was den Planeten anbelangt, *Sternchen*. Es gab ihn schon, bevor es die Menschen gab und es wird ihn auch noch geben, lange nachdem sie verschwunden sind. Es gab immer schon Veränderungen auf dem Planeten. Diese lassen sich nicht aufhalten, weil sie zum natürlichen Zyklus der Regeneration gehören. Durch das rücksichtslose Handeln des Menschen können diese Prozesse nur beschleunigt werden und die für Menschen taugliche Lebens Atmosphäre schneller zerstört werden. Es ist für sie daher ratsam auf die Botschafterinnen und Botschafter der Neuzeit zu hören. Lass mich rechnen. Wir befinden uns in 2019 nach aktueller Zeitrechnung, stimmt. Sie müssen Resourcen freundlicher mit der Erde umzugehen. Egal ob es wissenschaftliche Expeditionen sind, die den Menschen die Augen öffnen sollen oder einzelne junge Menschen, die durch ihre Überzeugung tausende Menschen dazu bewegen können, Freitags die Schule zu streiken, um für die Umwelt zu kämpfen. Diese Botschafter zeigen den Menschen den richtigen Weg. Es bleibt nur noch die Frage, ob sie auch zuhören wollen. Die Chance ergreifen. Egal ob die Menschen die Resourcen schon seit 300 Jahren nutzen können oder erst seit 30 Jahren. Im hier und jetzt spielt das keine Rolle mehr. Es muss global gehandelt werden. Die Anzeichen für die nächste globale Regeneration des Planeten haben bereits begonnen in Form des 6. Massensterbens. Die Frage bleibt, ob die Menschen sich noch rechtzeitig anpassen wollen, um wieder von vorne beginnen zu können oder ob sie nur als Teil der Geschichte enden, wie es bereits bei den Dinosauriern der Fall gewesen ist und nur durch eine Laune der Natur, ein winziger Bruchteil in Form von Krokodilen den Wandel der Zeit überstanden haben. Bleiben den Menschen noch 200 Jahre oder 1000 Jahre? Die Entscheidung liegt bei ihnen selbst und wir dürfen nicht eingreifen. Oh, ich bin wieder mal abgeschweift. Ich komme so selten dazu, mich mit Jemanden zu unterhalten. Bzw. noch seltener, dass mir Jemand überhaupt antworten kann. Für die meisten Wesen spreche ich zu schnell. Sie können mich nicht verstehen und am Ende unseres Gespräches erinnert ihr Euch sowieso nicht mehr an die Begegnung mit mir. So will es das Naturgesetz. Das Gesetz über allem. Aber meine Worte werden Euch trotzdem in Erinnerung bleiben. Auch wenn ihr keine Ahnung mehr habt, woher diese Erinnerung stammt.

Betrachten wir euren aktuellen Kampf im Hier und Jetzt. Ihr habt beide in eurem Glauben gehandelt und in der Überzeugung das Beste zu tun zur Rettung der aktuellen Ereignisse. Eur Wille und Kraft hat allerdings eine Stärke erreicht, dass es weit über die Grenzen der irdischen Linien zu spüren war und ein Echo durch Zeit und Raum gesandt hat. Ein starker Wille ist immer gut. Aber bedenkt, Vernunft muss stehts ein enger Begleiter sein und ihr wart bereit, zu viel für die Erhaltung der jetzigen Situation zu opfern. Hätten wir das gelten lassen… meine Güte, würde das ein viel grösseres Chaos unter den ganzen Sternensystemen und Galaxien im Universum auslösen. Ihr habt eine Lektion gelernt und werdet weiter nach guten Taten streben können, aber euch an den üblichen Rahmen halten. Hoffen wir also mal, es wird kein weiteres Ereignis geben, dass dazu führt, dass wir uns wieder sehen werden.» Zufrieden, ihre Botschaft übermittelt zu haben, würde sie beide Seiten entsprechend würdigen. Sie schnippte mit den Fingern. Sobald sie wieder an ihrem festen Punkt im Weltraum angekommen war, würden die Ereignisse einen neuen Lauf nehmen. Sie schwebte zufrieden hoch. Ein paar Flügelschläge als Eule. Gefolgt von ein paar kräftigen grossen Schwingenschlägen des blauen Drachens. Hin zur wachsenden Form des Polarsterns, der in seiner stark glänzenden und leuchtenden Form wieder die Erdatmosphäre verliess. Dabei nahm er für ganz kurz ein neues Wesen an Bord einer weissen Raumstation war. Der Polarstern beschleunigte und

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nahm kurz darauf seinen Fixplatz im Universum wieder ein. Die Zeit lief weiter bzw. wurde für die Erde zurückgedreht.

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Akt 3 – Auf Anfang

Die Aurora Borealis erschien in voller grün violetter Farbenpracht über dem Nordpol und erhellte in ihrem wild bewegenden Farbenspiel den Nachthimmel. Inmitten davon strahlte auch der Polarstern an seinem fixen Ort. Alles war wieder an richtiger Ort und Stelle. Der Ort um die Farm des Weihnachtsmann strahlte wieder seine gewohnte irdische Kraft aus, welche aus der natürlichen Quelle der Natur stammte. Die Wächter des Lichts halfen dem Weihnachtsmann und seinen Wichteln die letzten Geschenke auf den Weihnachtsschlitten zu verladen, um in Kürze zum Geschenke verteilen aufzubrechen. Aufgrund der Situation dieses Jahr, würden sie es erstmals alle gemeinsam anpacken, da sich zuletzt die Ereignisse überschlagen hatten und Santa erstmals die Zeit fehlen würde alle Orte zu erreichen, wenn er alleine aufbrechen würde. Aber so wie im wahren Leben eben auch, war man gemeinsam einfacher stärker und konnte mehr erreichen. Die Zeit hatte sich ihnen schlussendlich gnädig gezeigt, durch ihren Willen sich nicht einfach dem Schicksal zu ergeben und die ausgelösten gravierenden Veränderungen auf der Welt einfach so hinzunehmen. Stattdessen hatten sie unter Einsatz aller Kraft dafür gekämpft, die Welt, wie sie sie seit einer Ewigkeit kannten auch für die Zukunft in dieser Form zu erhalten und hatten eine zweite Chance erhalten. Die Zeit sah solchen Einsatzwillen nicht allzu oft in der endlosen Spirale ihrer Existenz, dessen Beginn mit der Geburt der Milchstrasse sie kaum noch spüren und dessen Ende sie kaum erahnen konnte. Sie hatte aber auch bemerkt, dass die Energiestärken auf der Erde eine Skala erreicht hatten, die unter Umständen einen Domino Effekt im Universum selbst ausgelöst hätte und deswegen hatte sie eingreifen müssen. Etwas, dass sie nur sehr selten tat. Vorallem in Anbetracht dessen, weil es eh keine Rolle spielte. Die Milchstrasse würde sowieso in ein paar Millionen Jahren mit einer anderen kollidieren, alles Leben zum Ende kommen und in anderer Form wieder beginnen. Was auch das Ende ihrer Aufgabe hier bedeuten würde. Aber das ist eine andere Geschichte…

Es ist die Nacht von Weihnachten und die Wächter des Lichts sprangen mit dem Weihnachtsschlitten durch die Nacht, um die Geschenke zu verteilen. Inmitten eines verwunschenen Waldes trafen sich ein paar grüne Kobolde. Man sagte, die Blätter haben wieder zu sprechen begonnen. Sie begann wieder zu Erwachen. Sie mussten sich bereit halten. Ein heller Himmelskörper flog gleichzeitig über die Erde für jeder Mann sichtbar. Auch die Mannschaft um Major Tom an Bord der ISS Weltraumstation verfolgte das spektakuläre Ereignis durch ein Fenster. Während seine Kollegen einfach nur ihre Bewunderung für den Himmelskörper aussprachen, war es für Major Tom anders. Er hatte seltsame Erinnerungen in seinem Kopf, dass die Geschichte vor kurzem noch einen ganz anderen Lauf genommen hatte. Er hatte auch das Gefühl eine ganz neue Lebensenergie in sich zu spüren. Er musste das weiter beobachten. So war für manche der Himmelskörper ein Bote für ein Wunder, für andere Begeisterung für das Universum. Er flog an der Erde vorbei und setzte seinen vorausbestimmten Weg in den endlosen Weiten fort. Die Wächter des Lichts nahmen das Himmelsereignis auch wahr und waren froh, dass sie die Menschen vor Schlimmerem bewahren konnten. Dennoch durfte die Menschheit auch nicht untätig bleiben, weil sie sonst früher oder später ein ähnliches Ereignis ereilen würde. Und wenn auch die erlebten Wunder durch die Visionen des Weihnachtsmannes so nicht stattgefunden haben, können sie auch so jederzeit geschehen. Denn jeder von uns ist zu einer guten Tat in der Lage, wenn er nur den Mut dazu findet…

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Und so sind wir nun beim Zeitpunkt angekommen, wo wir uns Menschen am meisten Zeit schenken. Das wertvollste Geschenk, dass man sich Schenken kann. Und Zeit gewährt uns diesen Moment der Ruhe für eine gefühlte kleine Ewigkeit.

EPILOG

Sie standen über einem steinernen Artefakt, dass sie solange vorsichtig mit dem Meissel bearbeitet hatten, bis sie dessen Kern freigesetzt hatten und sich die Luft darum elektrisch zu laden begann.

«Holen sie mir Sir Domderion. Wir haben den Schlüssel zum Artefakt gefunden. Unsere Versuche können starten.» Sie blicken auf einen versteinerten Gegenstand herunter, der einst vor einer sehr langen Zeit, einen sumerischen Gelehrten und Priester in ein vier dimensionales Wesen verwandelt hat. Was würden sie wohl mit diesem Gegenstand und uralten Schriften anfangen können?

EPILOG 2

Der Osterhase macht Trainingssprünge mit Rudolph, um koordinierter springen zu können. Vor dem Sprung gibt er im Gerät ein: «Bombenstimmung» Sie landen neben verwundertem James Bond, der nur noch Sekunden hat, um Bombe zu entschärfen. Rudolph nickt kurz und grunzt. Der Osterhase blickt ihn nur sprachlos an und rümpft kurz seine Nase. James Bond ist seinerseits so verwundert und abgelenkt über die groteske Situation, dass er es nicht schafft und alles mit ihm in die Luft fliegt. Sie beide können aber noch heil zurückspringen. Der Osterhase ist ausser sich: «Oh gott, oh gott. Wir haben James Bond getötet» Santa erwidert: «nein, nein, das war doch nur eine Simulation…» Er räusperte sich nach Kontrolle seiner Systeme. «Ehmmm, das war doch eine Simulation, oder?»

EPILOG 3

Brennende Kerzen und ein wunderbar erleuchteter Weihnachtsbaum in einer Dachwohnung mit einem Holzgibel in der Schweiz, welcher durch seine Bauweise an das Mittelalter erinnerte. Ein kleines Mädchen kniete vor dem Weihnachtsbaum und freute sich schon sehr darauf, die darunter liegenden Geschenke vom Weihnachtsmann bald auspacken zu dürfen. Auch dieses Jahr hat sie ihn wieder besucht. Der schönste Moment des Jahres war wieder da, um ihn im Beisein ihrer beiden Eltern und einem gemütlichen Kaminfeuer zu geniessen. Doch was für die Rettung dieser Weihnacht nötig gewesen war, auf diese Idee würde sie nie kommen. Das ist eine sehr lange Geschichte.

Copyright © 2019 (24.12.19) by Chris Etterlen

3 Antworten
  1. tiziana
    tiziana says:

    Hey Chris,

    suuuuperstory… danke dass Du sie mit uns geteilt hast.
    Freue mich schon auf nächste Weihnachten… !!!!:-)
    Grüsse Dich ganz herzliche Tiziana

    Antworten
  2. Kupek Carole
    Kupek Carole says:

    Wirchlich eine tolle Geschichte ! Sie ist wirklich super geschrieben !
    Diese Geschichte kann in gewisser Weise an die Realität erinnern…
    Ich freue mich auf den Fortsetzung !

    Antworten

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