Letter from Santa

Letter from Santa
A Christmas Tale 1

Sie hängte fest in den Seilen und eisiger Wind pfiff ihr um die Ohren. Wie hatte ihr das nur passieren können. Schicksal? Als routinierte Fallschirmspringerin war sie es sich auf jeden Fall nicht gewohnt so runter zu kommen. Kopfüber hing sie in den oberen Wipfeln eines Baumes und die Seile ihres Fallschirmes hatten sich furchtbar verheddert. Eine unerwartet starke aufgetretene Böe hatte ihren kontrollierten Sinkflug von einer Sekunde zur anderen komplett aus der Bahn geworfen und sie enorm in Strudeln gebracht. Im Endeffekt war auch eine gute Portion Glück dabei, dass sich der Fallschirm kurz vor dem Boden in den Baum verfangen und ihren Sturz so kurz und heftig gestoppt hatte. Erst war es ihr kurz schwindlig geworden, nun kam sie aber wieder zu sich und wusste nur eins. Wenn sie noch lange hier so kopfüber hängen würde, dann würde ihr das überhaupt nicht gut tun. Eilig versuchte sie sich zu konzentrieren, wie sie sich aus diesem Schlamassel retten konnte. Sie tastete ihren Körper ab in der Hoffnung auf die rettende Idee zu kommen. Plötzlich spürte sie etwas hartes unter ihren Fingern in einer Hosentasche… Aber ja, richtig. Ihr Schweizer Sackmesser. Es dauerte nicht lange, hatte sie es in der Hand und befreite sich vorsichtig mit der ausgefahrenen Klinge von jedem Seil. Je länger sie es ansah, umso mehr konnte sie sich an die Zeit zurück erinnern, wo sie es bekommen hatte und welche Rolle Weihnachten in ihrem bisherigen Leben gespielt hatte…

Weihnachten war wie bei vielen anderen Menschen auch jedes Jahr eine Zeit der besonderen Bedeutung in ihrer Familie, wo sich alle zusammen fanden und besonders glückliche und besinnliche Stunden zusammen erlebten. Stunden der Ruhe und Entspannung im Vergleich zum ansonsten so hektischen Alltag. Keineswegs etwas, das allen Menschen auf der Erde möglich war. Ein geschmückter Tannenbaum und Geschenke gehörte da genauso dazu wie zusammen Lieder singen, weihnachtliche Musik hören und ein gutes Essen geniessen. Mary-Jane Robertson war die Jüngste in der Familie und wuchs auf mit 3 grösseren Brüdern. Sie genossen es entsprechend jeweils richtig die kleine Mary-Jane aufzuziehen, im speziellen wenn es um den Weihnachtsmann ging. Sie glaubte viele Jahre fest an ihn, währenddem er für ihre Brüder nichts mehr weiter als Humbug war…. Tief in ihrem Inneren wünschte sie sich nichts Sehnsüchtigeres, als einmal vom Weihnachtsmann persönlich besucht zu werden. Eines Nachts hatte sie dann einen Traum, der so intensiv war, dass sie sich bis heute an ihn erinnern konnte…

Draussen war es bitter kalt und der seit Tagen anhaltende Schneefall hatte die Landschaft in eine zauberhafte Schneekulisse verwandelt. Mary-Jane lag unter der warmen Decke im Bett und wachte plötzlich auf. Sie glaube ihren Ohren nicht zu trauen. War das etwa das Geräusch von klingenden Glöckchen, die näher kamen? War es tatsächlich möglich, dass es dieses Jahr geschehen würde? Hastig verliess sie das Bett und schlich zum Fenster, um einen Blick nach draussen in den Schnee zu werfen. Herzhaftes Strahlen breitete sich auf dem kindlichen Gesicht aus, als es draussen im nieder rieselnden Schneefall den von prachtvollen Rentieren, allen zuvorderst natürlich das Rentier Rudolph, gezogenen Schlitten des Weihnachtsmanns heran gleiten sah. Die Rentiere verlangsamten bis der Schlitten vor ihrem Haus zu stehen kam. Der stattliche Weihnachtsmann, eingehüllt in seinen roten dicken Mantel, stieg ab dem Schlitten und schritt zu dessen hinteren Teil. Darauf fanden sich zahlreiche Geschenke in unterschiedlichen Grössen und Farben. Er suchte eine Weile, bis er fündig wurde: „Ah, da ist es ja. Für Mary-Jane Robertson.“ Er nahm es in die Hand und schritt gemächlichen Schrittes durch das Schneegestöber. Am Briefkasten der Familie Robertson vorbei, in Richtung Haus, welches mit allerlei funkelnder, glitzernder und blinkender Weihnachtsdekoration geschmückt war. Mary-Jane hatte voller Freude, Spannung und Ungeduld das Geschehen draussen mitverfolgt. Nie wieder würde sie den wahrhaft anmutigen Anblick dessen vergessen, was sie vor ihrem Fenster erblickte. Er sah genauso aus, wie sie es sich immer vorgestellt hatte. Dann nahte der entscheidende Moment. Der Weihnachtsmann mit seinem grossen buschigen weissen Bart schritt mit einem Päckchen weg vom Schlitten und bog ab in Richtung Vorgarten von ihrem Haus. War es wirklich möglich, dass er ihr ein Geschenk persönlich überbringen würde? Ihr Herz begann immer höher zu schlagen und ein Gefühl von unvorstellbar grosser Freude begann sich in ihrem Körper auszubreiten. Es breitete sich so stark aus, dass selbst ihr Lächeln im Gesicht immer breiter wurde. Es war offensichtlich, dass es gleich an ihrer Haustüre klingeln würde. Sie löste ihren Blick sofort vom Geschehen draussen, verliess ihr Zimmer und schritt langsam in den Hauseingangsflur. Der Türe entgegen. Dann klingelte es. Erwartungsvoll und voller Vorfreude öffnete sie langsam die Türe und glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Da stand er in voller Grösse vor ihr. Mit einem warmherzigen Lächeln blickte er hinunter zu ihr und fragte: „Bist Du die kleine Mary-Jane?“ Eine einfache Frage. Doch sie hatte ihr schlicht und ergreifend die Sprache verschlagen. Sie brachte keinen Ton raus. Sie strahlte über das ganze Gesicht als die einzige Reaktion folgte zu der sie im Moment imstande war. Sie begann erst zögerlich, dann bestimmter zu nicken. „Schön. Freut mich die Bekanntschaft mit Dir zu machen“, sagte er mit seiner tiefen Stimme und sie erwiederte leise: „Ja, mich auch.“ „Lass uns kurz in den Hausflur gehen und die Türe hinter uns schliessen. Ich habe Dir etwas mitgebracht.“ „Ein Geschenk für mich?“ „Ja, komm lass es mich Dir zeigen.“ Sie schritt ein paar Schritte zurück, sodass Santa Clause die Türe hinter sich schliessen konnte. Dann kniete er sich vor ihr nieder und übergab ihr ein kleines Päckchen. Sie riss das Geschenkpapier auf und fand darin eine Schneekugel. Zuvor hatte sie so was noch nie gesehen. „Sieh genauer hinein, Mary-Jane. Du wirst die Weihnachtsstadt vom Nordpol darin sehen und winzige Elfen. Die Elfen, die mir jeweils dabei helfen die Geschenke vorzubereiten. Wenn du nun die Kugel zu schütteln beginnst, schau was geschieht.“ Sie folgte den Anweisungen von Santa Clause und sah tiefer und tiefer in die Schnellkugel. Sie konnte in der kleinen Kugel tatsächlich eine grosse Stadt erkennen. Wie war das nur möglich? Als sie noch genauer hinsah begann sie auch winzige Elfen zu sehen. Eine dieser Elfen begann die Hände nach ihr auszustrecken, fast so, als würde dieser sie auffordern zu Etwas. Dann schüttelte sie die Schneekugel und stellte fest, wie es in der Weihnachtsstadt kräftig zu schneien begann. Der kleine Elf stand ruhig da. Plötzlich fing es an zu schneien. Erst fielen nur einzelne Flocken vom Himmel. Dann begann es immer fester zu schneien. Der kleine Elf machte vor lauter Freude gleich einen Jubelsprung. Die ganze Stadt versank in stärker werdendem herrlichen Schneegestöber. Mary-Jane konnte ihren Blick nicht davon lösen. Santa Clause sagte flüsternd zu ihr: „Lass es Schneien… Du kannst es jederzeit in der Schneekugel schneien lassen und für weisse Weihnachten sorgen. Es ist wie Magie und Du hältst die Magie in Deinen Händen.“ Sie konnte nur schwer ihren Blick lösen, sah zum Weihnachtsmann und sagte: „Vielen Dank für das tolle Geschenk.“ „Gerngeschehen, Mary-Jane. Nun muss ich mich schon von Dir verabschieden, weil noch viele Kinder auf meinen Besuch warten. Bleib brav, damit ich Dich auch im nächsten Jahr wieder auf der Liste der braven Kinder sehen werde. Frohe Weihnachten und vergiss nicht: Der wahre Geist von Weihnachten wohnt in deinem Herzen“ Mit diesen Worten stand er wieder auf, verabschiedete sich von ihr und verliess das Haus der Familien Robertson wieder. Nachdem sie die Türe hinter ihm geschlossen hatte, sah sie noch eine ganze Weile in die zauberhafte Schneekugel hinein und liess sich vom Anblick verzaubern.

Am nächsten Morgen wachte das 7-jährige Mädchen auf, erinnerte sich an das Erlebte der vergangen Nacht und eilte zu ihrer Mutter, die damit beschäftigt war den Weihnachtsbaum noch fertig zu schmücken: „Mom, Mom, Du glaubst nicht was mir letzte Nacht passiert ist.“ „Nein, was denn mein Liebes?“ „Santa Clause ist vorbei gekommen und hat mir persönlich ein Geschenk überbracht.“ „Da hast Du aber Glück gehabt. Die Geschenke hat er übrigens direkt unter den Weihnachtsbaum gelegt. Schau hin.“ Voller Freude kniete Mary-Jane nieder und suchte unter den zahlreichen Geschenken nach den ihren. Ihr Vater sass unweit davon entfernt am Esstisch und sah lächelnd seiner Tochter zu bei ihrer Tätigkeit unter dem kleinen bunt geschmückten Tannenbaum.

Den ganzen Tag über pochte ihr Herz stark, wenn sie am Weihnachtsbaum vorbei ging und wusste, dass sie abends ihre Geschenke auspacken durfte. Als es dann soweit war, nach dem Nachtessen, bekam Mary-Jane wie jedes Jahr zuerst den Brief von Santa Clause. Ihr Vater drehte die im Hintergrund laufende Weihnachtsmusik „Santa Clause is coming to Town“ etwas leiser. „Er hat mir auch noch einen Brief geschrieben?“, fragte das kleine Mädchen neugierig. Ihre Mutter antwortete: „Ja, wie du weißt, legt er viel Wert darauf und auch wenn er Dich schon gesehen hat, will er trotzdem, das du den Brief erhältst.“ Sie öffnete den Brief und wie üblich, begann sie ihn laut vorzulesen: „Liebe Mary-Jane. Es ist Mitte Dezember und der Weihnachtsschlitten ist fast schon fertig gepackt, wie mir die Elfen gesagt haben. Das Rentier Rudolph kann es kaum erwarten endlich zusammen mit den 8 anderen, dem Schneidigen, Tänzer, dem Göttlichen, dem Drache, dem Paradierenden, Donner, Komet und Blitz den Weihnachtsschlitten durch den Schnee zu ziehen und die Geschenke zu den Jungen und Mädchen zu bringen. Die Elfen sind stark damit beschäftigt die letzten Geschenke noch fertig vorzubereiten. Ich habe einen Moment Zeit gefunden, um Dir diesen Brief zu schreiben und möchte Dir mitteilen, dass ich sehr zufrieden bin mit dem, was ich so von Dir gehört habe. Du bist sehr weit oben auf der Liste der guten Mädchen und Jungen. Mrs Santa und ich sind sehr stolz auf Dich und möchten gerne, dass Du so weiter machst. Bald schon werde ich auf dem Weg sein, um Eur Haus zu besuchen. Ich bin jetzt schon wieder sehr aufgeregt und voller Freude auf die lange Reise zu allen Kindern in der Welt. Ich wünsche Dir von Herzen Frohe Weihnachten, Mary-Jane. Dein Freund, Santa Claus.“ Sie war überglücklich über den persönlichen Brief und über Santa’s Worte, dass er sehr mit ihr zufrieden war und begann damit ihre Geschenke zu öffnen und das Packpapier des ersten Geschenks ungeduldig aufzureissen…

Mary-Jane kam gut vorwärts dank dem Sackmesser und hatte sich in kürzester Zeit von sämtlichen Seilen und Gurten befreit. Nun kam als nächstes der Abstieg an die Reihe… Es war lange her, dass sie zusammen mit ihren Brüdern auf Bäumen rumgeklettert war. Aber wie ihr Vater ihr immer wieder gesagt hatte. Das Leben steckt voller Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Manche musste man selber bewältigen und bei anderen erhielt man Unterstützung. Die würde sie auch brauchen, wenn sie die Überreste des Fallschirmes von der hohen Eiche runter bekommen wollte. Stück für Stück arbeitete sie sich den Ästen entlang dem Boden entgegen und versank in neue Gedanken…

Schon als kleines Mädchen verlor sie das Interesse daran mit Puppen zu spielen und bastelte lieber mit den Jungs an irgendwelchen Sachen rum in der Garage ihrer Eltern. Da ihre Brüder doch ein gutes Stück älter waren als sie, kam es immer häufiger dazu, dass sie rebellierte, weil sie für manchen Dinge noch zu jung war und ihre Brüder nicht begleiten durfte oder einfach, weil sie immer mehr Gefallen daran fand ihre älteren Brüder absichtlich und oft zu provozieren. Das führte so immer öfter zu Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern wie auch den Eltern. Ein Jahr war sie besonders schwierig, was ihre Eltern dazu veranlasste einen etwas anderen Brief von Santa Clause in Alaska zu bestellen…

Weihnachten stand vor der Tür und sie erinnerte sich daran, wie sie früher vom Weihnachtsmann geträumt hatte. Dieses Jahr hatte sie aber keinen solchen Traum. Dennoch war ihre Freude einmal mehr gross, als sie morgens ihr Zimmer verliess und den beinahe fertig geschmückten Tannenbaum mit Engeln, farbigen Kugeln und Kerzen entdeckte. Auf seiner Spitze der traditionelle Weihnachtsstern. Der Tag ging rasch vorbei und der Zeitpunkt kam, sich der Geschenke zu widmen. Einmal mehr befand sich ein an sie gerichteter Brief vom Nordpol unter den Tannenzweigen, den sie sehr neugierig öffnete und unter Anwesenheit ihrer Familie laut vorzulesen begann:

„Liebe Mary-Jane, Merry Christmas von Santaland! Bei der langen Liste der guten Mädchen und Jungen dieses Jahr habe ich auch nach deinem Namen gesucht, ihn aber nicht gefunden. Wie ich mit bekommen habe, war das ein schwieriges Jahr für Dich. Es kann einem manchmal schwer fallen den Eltern und älteren Geschwistern immer zu gehorchen und die einem aufgetragenen Aufgaben zu erledigen. Dennoch sind sich Mrs Santa und ich sicher, dass mehr in Dir steckt und Du im nächsten Jahr wieder Deine bessere Seite zeigen wirst. In Santaland sind die Elfen eifrig damit beschäftigt alle Geschenke rechtzeitig bereit zu haben. Die Rentiere haben neue Glöckchenleinen bekommen, deren Klang momentan von den Elfen überprüft wird, damit man den Weihnachtsschlitten schon von weitem hören kann. Der Glöckchenklang hat, wie Du sicher weißt, eine besonders wertvolle Bedeutung für Weihnachten. Wir glauben an Dich und dass wir Deinen Namen nächstes Jahr wieder auf der Liste finden werden. Mrs Santa und ich senden Dir herzlich warme Weihnachtsgrüsse. Dein guter Freund, Santa.“

Das anfängliche Lächeln von Mary-Jane hatte sich während dem Vorlesen rasch verzogen und etwas unruhig hatte sie den Brief zu ende vorgelesen. Ihr Vater wandte sich an sie mit sanfter Stimme: „Wie du siehst hat auch der Weihnachtsmann mitbekommen, dass dieses Jahr nicht alles so lief, wie wir es von dir gewohnt sind. Wir wünschen uns sehr, dass du es dir zu Herzen nimmst und dich wirklich im nächsten Jahr wieder besserst.“ Mary-Jane nickte nur und sagte leise: „Ja, Daddy. Ich verspreche mich zu bessern und Euch weniger zu ärgern.“ „…und nun auf was wartest du noch, MJ, fang an deine Geschenke zu öffnen“, sagte ihr Vater lächelnd und einer ihrer Brüder ergänzte: „Na los, Schwesterherz, mach es nicht so spannend. Zeig uns, was du geschenkt bekommen hast… Was mögen wohl die Heiligen Drei Könige Caspar, Balthasar und Melchior damals dem Christkind, Maria und Josef geschenkt haben?“ Ein Kribbeln fuhr durch ihren Körper, als sie das erste Geschenk von einem ihrer Brüder geöffnet hatte und eine wunderschöne Schneekugel darin vorfand. In der Kugel befand sich ein weisses Einhorn und eine darauf sitzende weisse Elfe. Unter der Kugel fand sich der Schriftzug „Weihnachten ist wie Magie… Lass es Schneien“.

Magie. Glauben. „Wir glauben an Dich“ hallten die Worte ihrer Eltern in ihr wieder. Ich glaube an mich. Konzentriere dich. Ich kann das, sagte sie zu sich selbst, als sie bei den unteren Ästen ankam und nun besonders stark darauf achten musste, dass sie sich am richtigen Ort festhielt und sich nicht durch einen überraschenden Sturz aus mindestens fünf Metern Höhe bedenklich verletzen würde. Mit 29 Jahren würde ein solcher Sturz anders enden als damals, wo sie als Kind aus zu wenig Vorsicht ein paar Meter runter von einem Baum auf den Rücken gefallen und für ein paar nicht enden wollende Sekunden nicht mehr atmen konnte und ihren Eltern einen ordentlichen Schrecken eingejagt hatte. Ihr Vater meinte darauf zu ihre Mutter nur: „Mädchen sind eben keine Jungs. Unsere Jungs sind nie von einem Baum gefallen. Das ist nichts für sie.“ Ihre Mutter konnte ihm nicht wirklich widersprechen. Doch Mary-Jane liess sich davon nicht abschrecken. Sie hatte ihre Lektion gelernt und kletterte mit grösserer Vorsicht weiter mit einem ihrer Brüder auf Bäumen rum, obwohl es ihr ihre Eltern klar untersagt hatten. Ihr handwerkliches Geschick entwickelte sich weiter und jede noch so kleine Reparatur, die an ihrem Fahrrad nötig wurde, machte sie selbst, mit einem von ihren Brüdern ausgeliehenen Sackmesser. Ein wichtiges Zeichen für ihren Vater, der sich dadurch sicher wurde, dass er seiner Tochter MJ schon bald ein ganz besonderes Geschenk geben würde. Erinnerungen… Mary-Jane hielt sich baumelnd an einem der untersten und recht dicken Äste fest und liess sich zu Boden fallen. Als sie sicheren Boden unter den Füssen hatte, vernahm sie auf einmal ein leises Klingeln. Sie konnte sich nicht erinnern irgendwelche Glöckchen mitgenommen zu haben. Als sie ihren Blick umherschweifen liess über das vor ihr liegende weisse Feld, konnte sie eine eingezäunte kleine Herde Wollschafe erkennen. Daher kam also das Geräusch der Glöckchen…

Eine Verbindung weiterer Erinnerungen an Weihnachten in ihrem 13. Lebensjahr als sie wieder mal, wie schon öfters geschehen, zu nahe am geschmückten Weihnachtsbaum vorbeilaufen wollte und ihn streifte. Diverse daran hängende Glöckchen begannen für einen kurzen Moment zu klingen und liessen dadurch für einen kurzen Augenblick die Magie von Weihnachten aufleben. Unter dem Weihnachtsbaum wimmelte es nur so von Geschenken und als es draussen dunkel wurde und ihre Mutter die Kerzen am Baum anzündete, versammelten sie sich kurz darauf neben dem mit zahlreichem Kerzenschein leuchtenden Tannenbaum. Die Zeit der Überraschungen und Traumerfüllungen war da mit dem Öffnen der Geschenke. MJ wurde aufgefordert, wie jedes Jahr, zuerst ein Päckchen zu nehmen. Als sie bereits auf ein Grosses zusteuerte, sagte ihr Vater mit einem warmherzigen Lächeln auf dem Gesicht: „Nimm zuerst das Kleinste, welches du finden kannst, MJ. Es wird sich von selbst erklären.“ Sie nickte und nahm die Suche nach dem entsprechenden Päckchen auf. Währenddem sie suchte, lief im Hintergrund das Lied „Oh Tannenbaum“ leise im Radio. Schnell wurde sie fündig, warf einen lächelnden und ratenden Blick zu ihren Eltern und öffnete es dann. Zum Vorschein kam eine kleine rechteckige Schachtel mit einem weissen Kreuz darauf. Mit etwas nervösen Fingern öffnete sie diese rasch, um den Inhalt raus zu ziehen. Ein geriffeltes graues Schweizer Sackmesser. „Seit Generationen ist es in unserer Familie Tradition, dass die Jungen mit 13 Jahren ein Sackmesser aus der Schweiz geschenkt bekommen. Du hast schon seit langem so gerne an allen möglichen Sachen herum geschraubt, dass wir zur Überzeugung gelangt sind, dass du das erste Mädchen in der Familie werden sollst, dass im 13. Lebensjahr auch ein Sackmesser geschenkt bekommen soll. Wir wünsche Dir von Herzen viel Spass damit Du hast in verschiedenen Situationen in den letzten Jahren schon gesehen, wie nützlich es sein kann Eines zu besitzen und es wird mit Sicherheit auch in Zukunft immer wieder mal der Fall eintreten, wo es dir sehr nützlich sein wird..“ Sie hielt ihr erstes Geschenk voller Zufriedenheit in ihren Händen und freute sich schon darauf es bald einsetzen zu können…

…Mary-Jane stand neben der hohen Eiche auf dem verschneiten Feld und betrachtete mit einem Lächeln das Schweizer Sackmesser in ihrer rechten Hand. Einmal mehr hatte es ihr sehr geholfen und ihr im übertragenen Sinne eigentlich auch das Leben gerettet. Vor 15 Minuten hatte sie ihren Koordinator informiert, wo sie mit dem Fallschirm runter gekommen war, damit man sie abholen konnte. Als sie ein leises Motorengeräusch vernahm, sah Sie auf und sah in einiger Entfernung einen Jeep näher kommen. Sie blickte nochmals runter auf das Sackmesser mit dem Bewusstsein der besonderen Bedeutung für sie. Sie dachte an ihre Familie und freute sich darauf in weniger als vier Wochen schon mit ihnen die nächsten Weihnachten verbringen zu dürfen. Eine Zeit, die für sie seit Kindertagen sehr kostbar geblieben war, auch wenn sich bestimmte Ansichten zunehmendem Alter verändert haben. Das Bild des Weihnachtsmannes hatte sich gewandelt von der einfach herrlichen Verkörperung von Weihnachten und einem Überbringer von Geschenken bis hin zur einer der bedeutenden Symbolfiguren des Weihnachtsfestes. Seit sie als Kind eine Schneekugel geschenkt bekommen hatte, hat sie die Faszination dafür nicht mehr losgelassen und hat begonnen diese zu sammeln. Heute ist sie mit ihren 29 Jahren im Besitz einer grossen Auswahl unterschiedlicher Schneekugeln.
Sie lag grossen Wert darauf eines Tages Ihren Kindern die ihr vermittelten Werte betreffend des Weihnachtsfestes und der Geburt des Christkindes weiterzugeben und den Geist von Weihnachten für immer in ihrem Herzen warm zu behalten. Der Jeep kam näher und es begann langsam zu Schneien.

FROHE WEIHNACHTEN

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A Christmas Tale

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Copyright © 2010 (24.12.10) by Chris Etterlen

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